netzeitung.deNeutronenstrahlung in Hiroshima gemessen

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Die Explosion der Atombombe am 6. August 1945. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Explosion der Atombombe am 6. August 1945.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Späte Risiko-Abschätzung: Fast 58 Jahre nach der Explosion der Atombombe in Hiroshima haben Forscher die Werte der damals geschätzten Strahlendosen überprüft.

Die Atombomben-Opfer von Hiroshima und Nagasaki wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs zwei Arten von Strahlung ausgesetzt: Gamma- und Neutronen-Strahlung. Bis heute schätzen Mediziner die gesundheitlichen Folgeschäden von Verstrahlung anhand der für damals angenommenen Strahlenwerte ein. Jetzt haben Forscher diesen Maßstab überprüft.
Spuren in Dachrinnen
Während die Schätzungen über das Ausmaß der Gamma-Strahlung als sicher gelten, war bislang unklar, wie hoch die Neutronendosen waren, denen die Opfer ausgesetzt waren. Um die Menge der hochenergetischen «schnellen» Neutronen der Atombomben-Explosion zu bestimmen, hat ein internationales Forscherteam jetzt Kupferproben aus Hiroshima untersucht. Die Proben stammten etwa aus Blitzableitern oder Dachrinnen.

Wie sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten, konnten sie darin das radioaktive Nickel-Isotop Ni-63 nachweisen, das durch hochenergetische Neutronen erzeugt worden war. Wegen seiner langen Halbwertszeit von 101 Jahren ist es auch heute, 58 Jahre nach der Katastrophe, noch vorhanden. Doch die Zahl der Ni-63-Atome war äußerst gering. Die Wissenschaftler fanden teilweise weniger als zehn Ni-63-Atome unter 10 hoch 18, einer Milliarde Milliarden, Kupfer Atomen.

Zweifel ausgeräumt
«Die Messergebnisse bestätigen auf eindrucksvolle Weise die Abschätzungen der Neutronendosen», teilten die beteiligten Forscher von der Technischen Universität München am heutigen Donnerstag mit. Die Werte waren immer wieder angezweifelt worden, doch nun seien diese Zweifel ausgeräumt, berichten die Forscher.

Die aktuellen Messwerte bestätigen grundlegende Annahmen des Strahlenschutzes. «Die Daten von den Überlebenden der Atombombe bleiben weiterhin ein wichtiger Maßstab für die Gesundheitsrisiken von ionisierender Strahlung», schreibt Mark Little vom Londoner Imperial College in einem begleitenden Artikel in derselben Nature-Ausgabe. Das Ende der Debatte über die Gefahr, die von schnellen Neutronen ausgeht, sei wichtig für die 60.000 Überlebenden von Hiroshima, die 30.000 aus Nagasaki und allen Menschen, die andernorts hohen Strahlenwerten ausgesetzt waren.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier