22.07.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Arbeiter der Blattschneider-Ameisen können unterschiedlich groß sein.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Blattschneider-Ameisen sind Meister der Arbeitsteilung. Jetzt haben Forscher erstmals eine genetische Veranlagung für die Kasten-Zugehörigkeit gefunden.
In den Kolonien von Blattschneider-Ameisen herrscht strenge Arbeitsteilung. Die unterschiedlichen Körperformen der einzelnen Ameisen-Kasten galt bislang als nicht genetisch bedingt. Doch offenbar beeinflusst die väterliche Linie den Werdegang der Arbeiter.
Lehrbeispiel infrage gestelltBei Blattschneiderameisen gibt es neben stark unterschiedlichen Kasten wie Soldaten und Königinnen auch innerhalb der Arbeiter-Kaste Körperformen, die nicht viel gemein haben. Kleine Arbeiter sorgen im Bau für die Brut und pflegen die Pilzgärten der Kolonie. Größere Arbeiter übernehmen dagegen die Ernte von Blattmaterial und Baumaßnahmen am Nest.
Bislang hatte man angenommen, dass diese Unterteilung ausschließlich auf Umwelteinflüssen beruhe und keine genetische Grundlage habe. Die Ernährung, Hormone und Botenstoffe würden demnach die Entwicklung der Arbeiter zu bestimmten Ameisen-Typen steuern. Doch bei den Blattschneider-Ameisen Acromyrmex echinatior scheint es einen Einfluss der väterlichen Gene zu geben.
Messbarer EinflussForscher um William Hughes von der dänischen
Københavns Universitet hat das Erbgut der kleinen und großen Arbeiter von fünf verschiedenen Kolonien untersucht. Nach ihren Ergebnissen, die sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences» vorstellen, entscheiden die Gene des Vaters nicht alleine, zu welchem Typ sich die Ameise entwickelt, sie hätten aber einen messbaren Einfluss.
Die Genanalyse zeigte, dass einige Väter mehr große, andere mehr kleine Arbeiter zeugten. Zwar waren unter den Nachkommen eines Vaters meist beide Typen vertreten, aber die väterliche Linie scheint entgegen früheren Annahmen eine Richtung vor zu geben.
Der Mechanismus sei flexibel, schreiben die Forscher. Letztlich entscheide das Zusammenspiel von Genen und Umwelt, zu welchem Typ sich ein Arbeiter entwickele. Nach ihrer Einschätzung könnte dieser genetische Einfluss auf die Kasten-Bildung auch bei anderen sozialen Insekten übersehen worden sein.