netzeitung.deAhnenforschung im Sprach-Stammbaum

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Gemischte Inschrift: Lateinische Zahlen, gallische Worte (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gemischte Inschrift: Lateinische Zahlen, gallische Worte
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Biologische Methoden zweckentfremdet: Wissenschaftler erstellen einen Stammbaum der indogermanischen Sprachen.

In der Evolutionsgenetik kann anhand eines Erbgut-Vergleichs bestimmt werden, wie nahe Arten miteinander verwandt sind und bis zu welcher Zeit ihr letzter gemeinsamer Vorfahre gelebt hat. Forscher haben diese Methoden jetzt auf die indogermanischen Sprachen übertragen.
Gallier und Römer
Zu dieser Gruppe werden so unterschiedliche Sprachen wie Alt-Griechisch und Deutsch gezählt. Die Ahnenforschung in der indogermanischen Sprachfamilie kann sich auf mehr Dokumente stützen als in jeder anderen Sprachgruppe der Welt. Doch auf einen einheitlichen Stammbaum – angedacht bereits im Jahr 1863 – konnten sich die Sprachwissenschaftler bislang nicht einigen.

Jetzt präsentieren Peter Forster and Alfred Toth eine Ahnenreihe der indogermanischen Sprachen, die sie mit evolutionsbiologischen Methoden erstellt haben. Wie sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins Proceedings of the National Academy of Sciences berichten, untersuchten sie eine rund zweitausend Jahre alte zweisprachige, gallisch-lateinische Inschrift. Das Gallisch ist eine alte Form des Keltischen, die im heutigen Frankreich gesprochen wurde.

Keltische Sprachwelle
Die Sprachen unterscheiden sich mit vielen neuen Wörtern voneinander und von einer – wohl nie gesprochenen – gemeinsamen Vorläufersprache. Forster und Toth errechneten eine durchschnittliche Mutationsrate, die Geschwindigkeit, mit der alte Worte in den Sprachen durch neue ersetzt wurden. So konnten sie die Zeit von Verzweigungspunkten feststellen, an denen sich neue Sprachen abspalteten.

Nach dieser Konstruktion des Sprachbaums ist das Ur-Indogermanisch etwa 8100 Jahre vor Christus entstanden. Schon früh trennte sich davon das Ur-Keltisch. Die keltische Sprache kam demnach in einer Welle nach Großbritannien – etwa 3200 vor Christus. Bislang war man von zwei getrennten Sprachwellen ausgegangen. Doch erst innerhalb Großbritanniens trennten sich die Sprachen Walisisch und Bretonisch einerseits und Irisches und Schottisches Gälisch andererseits voneinander.

Ihre Studie zeige, schreiben Forster und Toth, dass die Übertragung von evolutions-biologischen Methoden ein guter Ansatz zur Lösung von Fragestellungen in der historischen Sprachforschung sei. (nz)