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Forscher: Homöopathisches Gedächtnis des Wassers entdeckt

13. Jun 2003 07:25
Die Wasserstoffbrücken-Bindungen (rote Striche) zwischen den Wassermolekülen könnten die Wirkung homöopathischer Mittel erklären.
Ein Wirkstoff kann in homöopathisch verdünnten, wässrigen Lösungen kaum noch nachgewiesen werden. Jetzt glaubt ein Forscher bestätigen zu können, dass der Wirkeffekt auf das Wasser übertragen werden kann.

Die Idee klingt skuril: Ein in Wasser gelöstes Medikament könnte Wassermoleküle derart beeinflussen, dass die Lösung dem Patienten auch ohne dem Wirkstoff hilft. Nach diesem Mechanismus sollen homöopathische Medikamente funktionieren, bei denen Wirkstoffe so stark verdünnt werden, dass rechnerisch kein Molekül des Wirkstoffs mehr darin enthalten sein dürfte. So die Theorie, Beweise gibt es dafür nicht. Ein Schweizer Physiker will jetzt jedoch Hinweise auf den so genannten Memory-Effekt des Wassers gefunden haben.

Minenfeld für seriöse Wissenschaftler

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Wer sich als seriöser Wissenschaftler mit der Homöopathie beschäftigt, gefährdet leicht seinen Ruf. Gleiches gilt für Fachzeitschriften, die Artikel dazu veröffentlichen. Beispielsweise stolperte der anerkannte französische Wissenschaftler Jaques Benveniste über eine Veröffentlichung, die den Memory-Effekt belegt haben wollte. Nach einem heftigen Streit, der über Monate im Fachmagazin «Nature» ausgetragen wurde, entschloss sich das Blatt 1988 zu einer Inspektion der Versuchsaufbauten Benvenistes. Sie entdeckten Unregelmäßigkeiten und seitdem wird Benveniste den Verdacht des Betrugs nicht mehr los.

Umso bemerkenswerter ist die jüngste Forschungsarbeit von Louis Rey, die demnächst in dem renommierten Journal «Physica A» zu lesen sein wird. Darin zeigt der Physiker, dass die Molekülverbindungen zwischen den Wasserstoff-Atomen bei normalem Wasser anders strukturiert sind als die in homöopathischen wässrigen Lösungen.

Rey nutzte dafür das Phänomen der Thermolumineszenz: Wenn ein Körper rasch erwärmt wird, gibt er die aufgenommene Energie in Form von Strahlung respektive Licht wieder ab. Der britische Forscher Robert Boyle entdeckte das Phänomen 1663, als er einen Diamanten erwärmte und dieser zu leuchten begann. Aus der abgegebenen Strahlung lassen sich - in Abhängigkeit zur zugeführten Wärme - wiederum Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Materials ziehen.

Salz-Effekt auch ohne Salz

Als Rey Eis auf diesen Effekt hin untersuchte, konnte er bei zwei Temperaturen einen Lichtpuls nachweisen - bei 120 Kelvin (-153 Grad Celsius) und 170 Kelvin (-103 Grad Celsius). Rey wollte zunächst überprüfen, ob der Lichtpuls bei 170 Kelvin abhängig vom Muster der Wasserstoffbindungen des gefrorenen Wassers ist. Daher wiederholte er den Versuch mit «schwerem Wasser», das stärkere Wasserstoffbindungen hat. Das liegt daran, dass in schwerem Wasser kein normaler Wasserstoff, sondern Deuterium, ein Wasserstoff-Isotop mit einem zusätzlichen Neutron.

In der Versuchsreihe löste Rey in dem schweren Wasser verschiedene Salze: Lithium-Chlorid und Natrium-Chlorid, das klassische Speisesalz. Beide beeinflussen die Wasserstoffbindungen unterschiedlich stark. Lithium-Chlorid zerstört die Wasserstoffbindungen, Natriumchlorid jedoch nicht so stark. Und tatsächlich blieb bei 170 Kelvin der Lichtpuls komplett aus, wenn er den Lithium-Chlorid-Eisblock erwärmte. Bei der Natrium-Chlorid-Lösung war nur noch schwacher Puls zu sehen.

Mit diesem Wissen begab sich Rey auf den Boden der Homöopathie-Forschung: Er wollte testen, was passiert, wenn er die Lithium-Clorid-Salze in dem Eisblock so weit verdünnt, wie das in der Homöopathie mit Wirkstoffen üblich ist.

Benveniste skeptisch

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Jede der Lösungen wurde so behandelt, wie es die Homöopathie vorschreibt, zum Beispiel zwischen den Verdünnungsschritten sehr gründlich gerührt. Rey verdünnte also eine Lithium-Chlorid-Lösung, eine Natrium-Chlorid-Lösung und als Kontrolle pures Wasser jeweils so lange, bis rechnerisch keine Salz-Ionen mehr enthalten sein dürften. Aber der Effekt blieb erhalten, bei 170 Kelvin war bei der homöopathisch verdünnten Lithium-Clorid-Lösung noch immer kein Lichtpuls zu erkennen. Rey führt das auf Unterschiede in den Wasserstoffbindungen zurück.

Martin Chaplin von der Londoner South Bank University traut indes Reys Ergebnissen nicht. Eigentlich müssten sich die Wasserstoffbindungen beim Einfrieren des Eises neu arrangieren, sagte der Experte für Wasserstoffbindungen dem Wissenschaftsmagazin «New Scientist».

Rey könne nicht ausschließen, dass aufgrund von Unregelmäßigkeiten beim Verrühren und Verdünnen noch immer geringe Mengen Salz in dem Eisblock vorhanden sein könnten. Da bei 170 Kelvin im Eis bestimmte Phasenübergänge stattfinden, könnte diese Salzreste sich so anordnen, dass sie den Effekt auf die Thermolumineszenz verursachen.

Der Thermolumineszenz-Experte Raphael Visocekas von der Denis Diderot Université in Paris jedoch hat Reys Experimente eine Zeitlang beobachtet und hält sie für seriös und reproduzierbar. Er sieht keinen Grund, warum Wasserstoffbindungen den Gefriervorgang nicht überstehen sollten.

Der von der Forschergemeinde gebrandmarkte Benveniste jedoch äußert sich vorsichtig: Die Versuche seien nicht doppelblind durchgeführt worden, so dass diejenigen Forscher, die die Experimente durchführen, keine Manipulationsmöglichkeiten haben. Zwar sage Rey, dass seine Versuche reproduzierbar seien, er habe aber nicht geschrieben, wie oft er sie durchgeführt hat. «Da ich selbst erfahren musste, wie kontrovers dieses Feld ist, ist es absolut unumgänglich, so narrensicher vorzugehen wie möglich«, sagte er dem »New Scientist«. Offenbar steht die Forschergemeinde vor einer neuen Diskussion um die Homöopathie. (nz)

 
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