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Wie der Reis nach Japan kam

04. Jun 2003 14:18
Japanisches Reisfeld
Alte Gefäße haben japanische Forscher mit einer neuen Methode untersucht. Das Ergebnis könnte dazu führen, dass Japans Geschichte umgeschrieben werden muss.

Unter japanischen Archäologen ist ein Streit entbrannt, wie und wann die Technik des Reisanbaus in Japan Einzug hielt. Auslöser der Debatte ist die Neudatierung von Keramiken, die als älteste Reisgefäße des Landes gelten. Demnach könnten die für den Reisanbau notwendigen, aus China stammenden Techniken in Japan schon deutlich länger bekannt gewesen sein als bisher vermutet.

Neues Verständnis der aiatischen Antike

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Die ersten japanischen Reisfelder sollen nach bisheriger Schätzung etwa um das Jahr 400 v.Chr. angelegt worden sein. Der Reisanbau markiert den Beginn der so genannten Yayoi-Periode – benannt nach dem Ort Yayoi, aus dem die Keramiken mit den landesweit ältesten Reisspuren stammen. Jetzt ergaben neue Untersuchungen der Keramiken mit Hilfe eines Massen-Spektrometers, dass die Schalen schon im Zeitraum von 830 bis 780 v.Chr. gefertigt wurden.

«Diese Entdeckung verändert unser Verständnis von der asiatischen Antike», erklärte Hideji Harunari, Archäologe am Nationalmuseum für japanische Geschichte in Chiba bei Tokyo, gegenüber «ScienceNow», dem Online-Magazin der Fachzeitschrift «Science». Das Nationalmuseum hatte insgesamt elf Schalen in den USA untersuchen lassen. In dem Museum lagern zudem noch weitere Keramiken, deren primitivere Formen auf ein noch höheres Alter schließen lassen. Die Archäologen vermuten daher, dass die Technik des Reisanbaus eventuell schon um 1000 v.Chr. in Japan bekannt gewesen sein könnte.

Dünne Datenlage

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Diese Datierung widerspricht der traditionellen japanischen Geschichtsschreibung. Sie besagt, dass die Techniken des Reisanbaus von chinesischen Einwanderern nach Japan gebracht wurden. In der für China besonders kriegerischen Zeit der «Streitenden Reiche» flohen um das Jahr 450 v.Chr. viele Chinesen über das heutige Korea bis nach Japan. Mit im Gepäck hatten sie das Wissen vom Reisanbau, der damals in Japan noch unbekannt war, in China aber schon seit etwa 8000 v.Chr. praktiziert wurde. Für Japan bedeuteten die Einwanderer und ihre Fertigkeiten ein Segen: Bevölkerungswachstum und einer kulturellen Blütezeit waren die Folge.

Angesichts der neuen Daten scheint dieses Bild nun nicht mehr stimmig. Die Neudatierung lasse vermuten, dass der Beginn der Yayoi-Periode neu berechnet werden müsse, erklärten die Forscher des Nationalmuseums Ende Mai auf einer Fachtagung der Japanischen Archäologischen Gesellschaft. Möglicherweise sei das landwirtschaftliche Wissen nicht erst mit den Flüchtlingen, sondern schon deutlich früher über den Handelsweg nach Japan gekommen.

Kritiker der neuen Theorie verweisen allerdings auf die zur Zeit noch dünne Datenlage. Bevor man Japans Geschichte umschreibe, müssten erst noch mehr Fakten gesammelt werden. (nz/jkm)

 
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