netzeitung.deMonogamie macht anfälliger für Ausrottung

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Für das Überleben einer Art ist es besser, wenn sich das Männchen einen großen Harem hält. Darauf deuten Untersuchungen eines kanadischen Zoologen.

Ein Leben in Monogamie erhöht das Aussterberisiko einer Tierart. Dies ist das Fazit einer Studie, die ein kanadischer Zoologe ist jetzt im Fachblatt «Conservation Biology» vorgestellt hat. Große Säugetiere, die in Paaren oder einem kleinen Harem leben, werden demnach sehr viel häufiger in einem Gebiet ausgerottet als solche, deren Männchen über einen großen Harem verfügen.
Zwei Faktoren
Immer mehr Tierarten verschwinden regional oder weltweit aufgrund von Jagd, Fragmentierung des Lebensraums und anderen menschlichen Aktivitäten. Justin Brashares von der University of British Columbia in Vancouver untersuchte jetzt am Beispiel von sechs Naturschutzgebieten in Ghana, welche Faktoren die Anfälligkeit von Primaten, Huftieren und anderen Säugern für diese «künstlichen» Auslöschungen beeinflussen.

In den betreffenden Schutzgebieten wird der Tierbestand seit über 30 Jahren monatlich erfasst. Insgesamt 78 lokale Auslöschungen verzeichnete die Statistik in diesem Zeitraum. Dabei spielten, wie Brashares ermittelte, zwei Faktoren eine besondere Rolle: Zum einen stieg die Gefahr einer durch Menschen bedingten Ausrottung, wenn eine Population sehr isoliert lebte – ein Befund, mit dem der Forscher durchaus gerechnet hatte.

Überraschend war für Brashares jedoch die Erkenntnis, dass in allen Tiergruppen auch die Haremsgröße eine Rolle spielte: Beispielsweise waren mehrere Arten von Duckern - kleinen, monogam lebenden Verwandten der Gazellen - im Schnitt zehn Jahre nach der Einrichtung eines Reservats verschwunden. Büffel, deren Harem etwa 15 Weibchen umfasst, hatten sich dagegen in allen Gebieten behaupten können.

Promiskuität zahlt sich aus
«Was das Vermeiden der Ausrottung angeht, zahlt sich Promiskuität aus», so die Schlussfolgerung des Wissenschaftlers. «Diese Studie zeigt erstmals eine starke Verbindung zwischen dem Sozialverhalten von Säugern und dem Risiko der Auslöschung auf.» Naturschützer und Verwalter von Schutzgebieten sollten monogam oder in kleinen Gruppen lebenden Arten daher besondere Aufmerksamkeit schenken.

Warum ein Leben in Monogamie anfälliger für Auslöschungen macht, ist allerdings noch unklar. Wenn ein Männchen getötet werde, könne es bei monogamen Arten möglicherweise rasch zu einem «Männermangel» kommen, so Brashares Vermutung. Bei Arten, in denen Männchen über einen großen Harem verfügen, stünden dagegen stets genügend Männchen bereit, den Platz des Haremsherrn einzunehmen.

Vielleicht ließen sich große Gruppen aber auch weniger leicht überraschen. «Eventuell läuft alles darauf hinaus, dass man sich an ein oder zwei Tiere sehr viel leichter heranpirschen kann als an zwanzig», so der Forscher. (nz/jkm)