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Spuren einer alten Zivilisation
in Nicaragua entdeckt

19. Mai 2003 15:04
Die Ausgrabungsstätte von El Cascal de Flor de Pino an der nicaraguanischen Atlantikküste.
Zeugnisse einer bislang unbekannten präkolumbianischen Kultur haben Archäologen an der nicaraguanischen Atlantikküste entdeckt.

Im Dschungel Nicaraguas sind Archäologen auf die Überreste einer bislang unbekannten Indianerkultur gestoßen. Die Funde, darunter ein Siedlungsareal mit deutlich städtischen Strukturen, reichen zurück bis in die präklassische Maya-Epoche vor über zweieinhalb Jahrtausenden. Erste Ergebnisse der Grabungen spanischer und nicaraguanischer Forscher wurden jetzt der Öffentlichkeit präsentiert.

Völlig neue Kultur

Mehr in der Netzeitung: Mesoamerika I
Seit 1998 arbeiten Archäologen der Universidad Nacional Autonoma de Nicaragua sowie der Universitat Autonoma de Barcelona (UAB) an der Erschließung der Fundstätte El Cascal de Flor de Pino nahe der nicaraguanischen Atlantik-Küste. Nachdem bereits erste Grabungen auf das Vorhandensein eines städtischen Zentrums deuteten, konnten die Forscher nach und nach eine völlig neue Kultur erschließen.

Neben Überresten städtischer Monumentalarchitektur entdeckten sie mehrere dörfliche Satelliten-Siedlungen, dazu große Abbau- und Lagerstätten von als Baumaterial verwendeten Monolithen sowie zahlreiche Felszeichnungen. Die ältesten Funde datieren die Forscher um Octavi Lopez Coronado von der UAB auf 750 vor Christus.

Abrupter Abbruch

Felszeichnungen gehören zu den Hinterlassenschaften der alten Kultur.
Damit fallen diese frühesten Zeugnisse in die Zeit der Vorläufer der präklassischen Mayakultur, wie man sie weiter nördlich in Guatemala, Honduras und Mexico findet. Vor rund zweieinhalb Jahrtausenden entwickelte sich zwischen diesen Völker entlang der mittelamerikanischen Atlantikküste ein reger Austausch. Auch El Cascal de Flor de Pino, darauf deuten die Funde, scheint zunächst an dieser «regionalen Globalisierung» beteiligt gewesen zu sein.

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Doch während der Austausch im Norden allmählich zur Ausbildung zentralistischer politischer Strukturen und damit zur Entstehung der klassischen Maya-Zentren wie Tikal oder Palenque führte, bricht die Entwicklung in Nicaragua abrupt ab. Um das Jahr 450 nach Christus, so ermittelten die Forscher, wurden die Siedlungen von El Cascal de Flor de Pino aufgegeben, zum Teil abgebrannt. Ihre Bewohner verschwinden aus dem Blickfeld der Wissenschaft. Was danach in Nicaragua entsteht, hat kaum mehr etwas mit der Kultur von El Cascal de Flor de Pino gemein.

Weitere Grabungen geplant

Coronado und seine Kollegen beschäftigt vor allem dieses plötzliche Verschwinden einer Gesellschaft am Übergang zur Hochkultur. Die Forscher haben soeben eine Kampagne abgeschlossen, bei der eine dörfliche Siedlung zutage gefördert wurde. Für den Herbst sind weitere Grabungen im Gebiet von El Cascal de Flor de Pino geplant. Von ihnen erhoffen sich die Forscher Aufschluss darüber, was den kulturellen Einschnitt verursacht haben könnte.

Die Archäologen entdeckten Spuren städtischer Architektur.

 
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