15. Mai 2003 07:35
Dramatischer Rückgang: Der industrielle Fischfang hat die weltweiten Fischbestände offenbar stärker dezimiert als bislang vermutet.
Die Weltmeere haben über 90 Prozent ihrer Bestände an Schwertfischen, Thunfischen, Rochen, Schollen und vielen anderen Großfischarten eingebüßt, schätzen Ransom Myers und von der Dalhousie University in Halifax und sein Kollege Boris Worm von der Universität Kiel. Die ökologischen Folgen könnten verheerend sein, zumal «ein allein auf jüngeren Daten basierendes Management vielleicht in die falsche Richtung führt.»Myers und Worm analysierten Daten aus der japanischen Langleinenfischerei in den offenen Ozeanen – eine besonders wertvolle Quelle, da sie für einige Arten Fangdaten aus allen Teilen der Weltmeere seit 1952 im Monatsrhythmus erfasst hat. Ergänzt wurden diese Daten durch Berichte von früheren Forschungsfahrten in Meeresgebiete, die zum Fahrtzeitpunkt noch nicht von der industriellen Fischerei betroffen waren.
Anhand dieser Informationen rechneten die Forscher die Entwicklung der Bestände zurück und schätzten die Biomasse in den Weltmeeren vor Beginn der Industriefischerei ab. Mit alarmierenden Ergebnissen: Wo immer die großen Fangschiffe sich neue Fanggründe erschlossen, sank die Biomasse der Fischgemeinschaften demnach jedes Jahr um fast ein Sechstel – binnen fünfzehn Jahren also um 80 Prozent.Im Schnitt findet sich in den meisten Meeresgebieten heute nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Biomasse, in gemäßigten Breiten des Atlantischen und Indischen Ozeans sogar nur ein Zwanzigstel. Myers und Worm betonen dabei, dass sie ihre Schätzung sogar für eher konservativ halten.