09.05.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Eine Regenwald-Ameise transportiert Pflanzensamen.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ameisen in tropischen Regenwäldern scheinen stärker auf pflanzliche Kost beschränkt als bislang angenommen. US-Forscher haben jetzt die Ernährung der Tiere genauer untersucht.
Ameisen stellen für die Pflanzenwelt tropischer Regenwälder offenbar eine größere Herausforderung dar als bislang angenommen. Wie Untersuchungen amerikanischer Wissenschaftler ergaben, scheinen sich die vermeintlichen Allesfresser überwiegend von pflanzlicher Kost zu ernähren. Damit müssen Schätzungen über die Belastung von Regenwäldern durch Insektenfraß vermutlich überarbeitet werden.
Kohlenstoff aus PflanzensaftDiane Davidson von der
University of Utah untersuchte gemeinsam mit Kollegen fast 200 Ameisenarten in Peru und Brunei. Die Wissenschaftler bestimmten das Verhältnis verschiedener Stickstoff-Isotope in den körpereigenen Eiweißen der Tiere, anhand dessen sich die Art der Ernährung rekonstruieren lässt. Die Methode ist so exakt, dass bei Menschen etwa allein aufgrund dieses Befundes Vegetarier von Nicht-Vegetariern unterschieden werden können.
Wie die Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin «Science» berichten, entdeckten sie bei der überwiegenden Mehrzahl der von ihnen untersuchten Arten ein Isotopen-Verhältnis, dass auf Pflanzenkost schließen lässt. Anders als etwa Raupen verzehren die Tiere jedoch keine Pflanzenblätter. Offenbar nehmen sie den pflanzlichen Kohlenstoff überwiegend durch Pflanzensaft auf, den sie von Blattläusen oder direkt aus Blütenpollen gewinnen.
Weitreichende KonsequenzenDavidsons Befund hat weitreichende Konsequenzen für die Beurteilung tropischer Ökosysteme. Ameisen können bis zu 30 Prozent der tierischen Biomasse eines Regenwaldes ausmachen. Bislang sahen Biologen in den Tieren eher Allesfresser, die weder Aas noch lebende Beute hauptsächlich Insekten verschmähen.
Künftig wird man Ameisen eher bei den Untersuchungen zu pflanzenfressenden Insekten berücksichtigen müssen. Deren zerstörerisches Werk wird derzeit noch auf jährlich etwa 0,8 Tonnen pflanzlicher Biomasse pro Hektar Regenwald geschätzt. Inwieweit dieser Wert korrigiert werden muss, will Davidson in einer neuen Untersuchung klären.