06.05.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Der neue Sensor bei der 'Riechprobe'.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Chip gegen das Stinken: Einen hochempfindlichen Geruchssensor haben Bonner Wissenschaftler entwickelt.
Düfte selbst in geringster Konzentration nimmt ein neuer Geruchssensor wahr, den Wissenschaftler der Universität Bonn entwickelt haben. Mit dem hochempfindlichen Chip lassen sich mögliche Geruchsquellen vollautomatisch rund um die Uhr überwachen. Lästige Gerüche oder gefährliche Gase in Kläranlagen, Mülldeponien oder Industriebetrieben könnten damit künftig ohne Gefahr für Menschen aufgespürt werden.
Leim mit VorliebenDie «elektronische Nase» hat kaum die Größe einer EC-Karte. Sechs runde Goldplättchen, kreisförmig angeordnet, sind für die Geruchswahrnehmung zuständig. Auf jedem dieser Rezeptoren klebt eine hauchdünne «Leimschicht», die «gaschromatographische Phase», an der die Geruchsmoleküle aus der Luft haften bleiben können. Die sechs verschiedenen «Leimsorten» haben unterschiedliche «Vorlieben»: An der einen Sorte kleben etwa kleine ringförmige Verbindungen am besten, an der anderen eher gestreckte Moleküle.
Die Goldplättchen werden durch kleine Quarze in Schwingung versetzt. Am besten funktioniert das bei ihrer Resonanzfrequenz. Bleiben Gasmoleküle an den Plättchen kleben, werden sie ein wenig schwerer und damit träger ihre Resonanzfrequenz nimmt ab.
Tausende von Gerüchen«Diese Veränderung können wir messen», so der Entwickler des Geruchssensors, Peter Boeker vom Bonner Institut für Landtechnik, «und zwar so genau, dass jeder Rezeptor noch Mengen von einem Milliardstel Gramm registrieren kann.» Da jeder Duftstoff die Resonanzfrequenz mehrerer Rezeptoren in ganz charakteristischer Weise verändert, können mit den sechs Goldplättchen Tausende von unterschiedlichen Gerüchen aufgespürt werden.
Einsatzmöglichkeiten für ihr System sehen die Entwickler in allen Bereichen, in denen störende oder gar gesundheitsschädliche Emissionen entstehen können, eine Überwachung durch menschliche «Geruchswächter» aber nicht zumutbar oder einfach zu teuer wäre. Momentan stellt das System seine Fähigkeiten bei einem zweimonatigen Dauereinsatz in einer Münchner Papierfabrik unter Beweis. Weitere Firmen haben bereits Interesse bekundet. (nz)