06.05.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Mangroven
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Meeresbiologen warnen vor dem Plan eines US-Zellbiologen, die Wüstenküsten der Welt mit Mangroven zu bepflanzen.
Meeresbiologen warnen vor den Folgen der Bepflanzung von weiten Küstenstrichen Afrikas und Lateinamerikas mit Mangrovenwäldern. Die Forscher befürchten, dass durch die zum Teil schon verwirklichten Pläne des US-Zellbiologen Gordon Sato die Korallenriffe entlang der Küsten gefährdet werden könnten, berichtet der Online-Dienst des Wissenschaftsmagazins «New Scientist». Der Dünger für das Wachstum der Mangroven könnte die Korallen dauerhaft schädigen.
Hunderte Küstenkilometer MangrovenSato hat in Eritrea bereits rund 250.000 Mangroven in der Nähe von Korallenriffen pflanzen lassen. Der Zellbiologe im Ruhestand will Hunderte Kilometer Küsten in Mexiko, Saudi Arabien und anderen Ländern mit den Bäumen bestücken.
«Ziel ist es, richtige neue Wälder in weiten Teilen der Welt zu erschaffen», sagte Sato dem «New Scientist». Mangrovenbäume könnten Futter für Ziegen bereitstellen und Kohlendioxid absorbieren. Auf diese Weise ließen sich sowohl die Armut in den betreffenden Gebieten als auch die globale Erwärmung bekämpfen, so Sato weiter.
Gefahr für KorallenriffeDer Zellbiologe plant, 50 Millionen neue Mangrovenbäume allein rund um das Rote Meer zu pflanzen. Seinen Vorstellungen zufolge könnten Kanäle gebaut werden, um Meerwasser ins Innere der Länder zu leiten. So sei es möglich, beispielsweise die Sahara, die Arabische Halbinsel oder die Atacama-Wüste in Chile mit Mangroven zu bepflanzen.
Um die Mangroven zum Wachsen zu bringen, wird etwa eine Tonne Dünger pro Hektar Strand benötigt nach Ansicht von Riff-Experten eine Gefahr für das biologische Gleichgewicht im Meer. Denn Korallenriffe sind extrem empfindlich gegenüber der Verschmutzung mit Dünger.
Hoffnung auf Sponsoren«Sato arbeitet ohne externen Rat und ohne fachmännische Kenntnisse aus der jeweiligen Region», so Mark Spalding, Autor des «UN-Weltatlas der Korallenriffe». Mangrovenbäume an tropischen Küsten ernährten zwar Fische und seien ein guter Schutz vor Unwettern. In der Nähe von Korallenriffen richteten sie jedoch Schaden an. «Dadurch würde das küstennahe Leben eher gefährdet als unterstützt», so Spalding.
Sato hingegen hält an seinen Plänen fest. Nach seinen Messungen, so der Zellbiologe, seien die Nitrogen- und Phosphorwerte rund um die Mangroven trotz Düngern nicht höher als im Meer selbst.
Für seine Pflanzungen in Eritrea, die er weitgehend selbst finanziert hat, wurde Sato im letzten Jahr mit dem «Rolex-Award» für Unternehmen (dotiert mit 100.000 US-Dollar) ausgezeichnet. Jetzt hofft er auf Sponsoren, um sein Mangroven-Projekt in der angestrebten Weise verwirklichen zu können. (nz)