Schildkröten navigieren mit der Nase
23.04.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Chelonia mydas.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wie Meeresschildkröten ihren Weg zu einer winzigen Insel im Atlantischen Ozean finden, haben walisische Wissenschaftler jetzt ermittelt.
Alle drei bis vier Jahre macht sich die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) auf den Weg zu ihren Brutpläzen im Atlantik. Einer davon ist die kleine Insel Ascension. Wie die Tiere es schaffen, das winzige Eiland in der riesigen Wasserwüste exakt anzusteuern, haben Wissenschaftler der University of Wales jetzt untersucht. Durch Experimente konnten sie nachweisen, dass die Tiere offenbar den Geruch ihres Brutplatzes über große Strecken hinweg wahrnehmen.
2000 Kilometer lange ReiseMehr als 2000 Kilometer liegen zwischen den Futterplätzen der Grünen Meeresschildkröte vor der brasilianischen Küste und der Insel Ascension. Wissenschaftler vermuten seit längerem, dass sich die Tiere während des größten Teils der Reise am Erdmagnetfeld orientieren. Doch dieser Sensor allein wäre zu grob, um die kaum zehn Kilometer große Insel mitten im Atlantik aufzuspüren. Daher nimmt man an, dass die Tiere zusätzlich noch über einen Feinsensor verfügen, der sie sicher an ihr Ziel führt.
Zurück nach BrasilienGraeme Hays und seine Kollegen von der
University of Wales in Swansea überprüften diese Theorie mit einem einfachen Experiment. Sie fingen sechs Schildkröten auf der Insel und statteten sie mit Sendern aus. Dann setzten sie die Tiere etwa 50 Kilometer entfernt im Meer aus, jeweils drei in Lee und Luv. Die Schildkröten im Wind der Insel fanden nach spätestens vier Tagen zu ihrem Nistplatz zurück.
Von den Tieren auf der anderen Seite schafften nur zwei den Weg zurück, nach 10 respektive 27 Tagen. Die dritte suchte 59 Tage vergeblich nach ihrem Brutgebiet um schließlich Kurs zurück nach Brasilien zu nehmen. «Damit war unsere These bestätigt», so Hays Kollegin Annette Broderick im Gespräch mit dem «New Scientist». «Es gibt einen für die Insel typischen Geruch.» Als Quellen des spezifische Duftcocktails kommen neben der Vegetation die Strände der Insel sowie die küstennahen Gewässer in Betracht.
Warum sich die Schildkröten zur Eiablage auf eine so lange und gefahrvolle Reise begeben, ist der Wissenschaft noch unbekannt. Broderick vermutet, es könnte mit dem Fehlen von natürlichen Feinden auf der Insel zusammenhängen. «Einen sicheren Platz zu finden, scheint die Reise wert zu sein», so die Forscherin.