15.04.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Zeichnung des auf dem Fragment dargestellten Stabgottes. In der rechten Hand der Stab, dem er seinen Namen verdankt.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Früher Kult: Fangzähne, Schlangen und ein Stab sind die Attribute jenes Gottes, dessen Bild Archäologen jetzt auf einem alten Begräbnisplatz in Peru entdeckt haben.
Ein 4000 Jahre altes Götterbild haben Archäologen im Norden Perus entdeckt. Die auf dem Fragment einer Kürbisflasche eingeritzte Darstellung zeigt den so genannten Stabgott, eine im altperuanischen Andenraum verbreitete Gottheit. Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich um das bislang älteste Götterbild auf dem amerikanischen Kontinent.
Klar erkennbares Symbol«Wie das christliche Kreuz ist auch der Stabgott ein klar erkennbares religiöses Symbol», erläutert Jonathan Haas, Anthropologe am
Field Museum in Chicago. Die Darstellung des Gottes mit Fangzähnen, Klauen sowie Schlangen am Körper oder an der Kleidung findet sich bei verschiedenen präkolumbianischen Andenkulturen. Seinen Namen verdankt der Gott dem Stab, den er in einer oder in beiden Händen hält.
Wissenschaftler des Provecto Arguelógico Norte Chico entdeckten das Fragment im Tal des Flusses Patavilca an der peruanischen Küste 200 Kilometer nördlich von Lima. Mit der Radiokarbon-Methode datierten sie ihren Fund auf die Zeit um 2250 vor Christus. «Dies dürfte das bislang älteste klar identifizierbare religiöse Symbol auf dem amerikanischen Kontinent sein», so Haas. «Es lässt vermuten, dass organisierte Religion in den Anden schon 1000 Jahre früher begann als bislang gedacht.»
Präkolumbianisches SiedlungszentrumDie Forscher fanden das Fragment auf einem weitgehend geplünderten Begräbnisplatz. Die eingeritzte und ausgemalte Figur schmückte einst eine Kürbisflasche von der Größe eines Softballs. Trotz der groben Ausführung sind die in charakteristischer Weise gestalteten Zähne und Füße deutlich erkennbar. Die rechte Hand hält den Stab, während die linke in einem Schlangenkopf zu enden scheint. Eine ähnliche Figur entdeckten die Forscher auch auf einem anderen Fragment vom selben Fundplatz.
Das Tal des Patavilca ist eines von vier küstennahen Flusstälern der Norte-Chico-Region. Dieses Gebiet war schon im dritten vorchristlichen Jahrtausend vergleichsweise dicht besiedelt. «Bis heute konnten in der Norte-Chico-Region 26 große Zentren entdeckt werden, alle geprägt von monumentaler Architektur, großen Zeremonialbauten und komplexen Residenz- und Verwaltungsgebäuden», so Winifred Creamer von der
Northern Illinois University. Möglicherweise siedelten hier auch die frühesten Vorfahren jener Kultur, die dreieinhalb Jahrtausende später den Andenraum beherrschen sollte - der Inka.
Ihren Fund will die peruanisch-amerikanische Forschergruppe in der kommenden Ausgabe des Magazins «Archaeology» vorstellen. Die Suche nach den Spuren der frühen Bewohner des Norte-Chico-Gebietes geht unterdessen weiter.