15. Apr 2003 08:14
Früher Kult: Fangzähne, Schlangen und ein Stab sind die Attribute jenes Gottes, dessen Bild Archäologen jetzt auf einem alten Begräbnisplatz in Peru entdeckt haben.
«Wie das christliche Kreuz ist auch der Stabgott ein klar erkennbares religiöses Symbol», erläutert Jonathan Haas, Anthropologe am Field Museum in Chicago. Die Darstellung des Gottes mit Fangzähnen, Klauen sowie Schlangen am Körper oder an der Kleidung findet sich bei verschiedenen präkolumbianischen Andenkulturen. Seinen Namen verdankt der Gott dem Stab, den er in einer oder in beiden Händen hält.Wissenschaftler des Provecto Arguelógico Norte Chico entdeckten das Fragment im Tal des Flusses Patavilca an der peruanischen Küste 200 Kilometer nördlich von Lima. Mit der Radiokarbon-Methode datierten sie ihren Fund auf die Zeit um 2250 vor Christus. «Dies dürfte das bislang älteste klar identifizierbare religiöse Symbol auf dem amerikanischen Kontinent sein», so Haas. «Es lässt vermuten, dass organisierte Religion in den Anden schon 1000 Jahre früher begann als bislang gedacht.»
Das Tal des Patavilca ist eines von vier küstennahen Flusstälern der Norte-Chico-Region. Dieses Gebiet war schon im dritten vorchristlichen Jahrtausend vergleichsweise dicht besiedelt. «Bis heute konnten in der Norte-Chico-Region 26 große Zentren entdeckt werden, alle geprägt von monumentaler Architektur, großen Zeremonialbauten und komplexen Residenz- und Verwaltungsgebäuden», so Winifred Creamer von der Northern Illinois University. Möglicherweise siedelten hier auch die frühesten Vorfahren jener Kultur, die dreieinhalb Jahrtausende später den Andenraum beherrschen sollte - der Inka.Ihren Fund will die peruanisch-amerikanische Forschergruppe in der kommenden Ausgabe des Magazins «Archaeology» vorstellen. Die Suche nach den Spuren der frühen Bewohner des Norte-Chico-Gebietes geht unterdessen weiter.