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Starker Rückgang der afrikanischen Menschenaffen-Bestände

07. Apr 2003 12:32
Gorillas könnten schon in wenigen Jahrzehnten ausgestorben sein.
Ebola und die Nachfrage nach «Buschfleisch» setzen den Menschenaffen in Zentralafrika offenbar stärker zu, als bislang vermutet. US-Forscher schlagen jetzt Alarm.

Bilderschau:
Einen dramatischen Rückgang der zentralafrikanischen Menschenaffen-Populationen haben US-Forscher festgestellt. Wie die Wissenschaftler in einer Online-Veröffentlichung des Magazins «Nature» berichten, ging die Zahl der Gorillas und Schimpansen in den Urwäldern Gabuns, einem der letzten großen Rückzugsgebiete der Tiere, in den letzten 20 Jahren um mehr als die Hälfte zurück. Ursache seien neben der Zerstörung der Lebensräume die illegale Jagd sowie die Folgen der Viruserkrankung Ebola.

Vor dem Aussterben

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In Gabun und seinem östlichen Nachbarn, der Demokratische Republik Kongo, leben nach Schätzungen etwa 80 Prozent der weltweiten Bestände an Gorillas (Gorilla gorilla) und Schimpansen (Pan troglodytes). Da bislang vor allem die Abholzung der Wälder als Gefahr für die Affen angesehen wurde, galten die Populationen beider Länder, in denen noch bis zu 80 Prozent der ursprünglichen Waldgebiete vorhanden sind, als relativ stabil.

Nach Ansicht von Peter Walsh von der Princeton University in New Jersey ist diese Annahme falsch. Statt sich auf Schätzungen anhand der Walddichte zu verlassen, untersuchte er gemeinsam mit Kollegen zwischen 1998 und 2002 in zahlreichen Urwaldregionen Gabuns Nester und Ruheplätze von Menschenaffen. Die so ermittelte Bestandsgröße verglichen die Forscher mit einer früheren Studie aus den Jahren 1981 bis 1983.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Um 56 Prozent, so die Forscher, sank der Bestand an Menschenaffen in der Region in den letzten zwanzig Jahren. Setzt sich diese Entwicklung fort, wird der Gesamtbestand in den nächsten 33 Jahren um mehr als 80 Prozent schrumpfen. Für die schon heute als gefährdet geltenden Tiere würde dies das Aussterben bedeuten, da sich die derart geschrumpften Populationen nicht mehr erholen könnten.

Zwei Faktoren

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Laut Walsh sind vor allem zwei Faktoren für den Rückgang verantwortlich. Zum einen die wachsende Nachfrage nach so genanntem Buschfleisch, die die Jagd auf Affen zum lohnenden Geschäft gemacht habe. War Buschfleisch früher vor allem eine Eiweißquelle für die ärmere Bevölkerung auf dem Land, so gilt das Fleisch von Affen, Antilopen oder Elefanten inzwischen bei reichen Stadtbewohnern als exotische Delikatesse. Die gestiegene Nachfrage hat die Jagd zu einem lukrativen Erwerbszweig werden lassen. Dabei profitieren die Jäger zunehmend von den Infrastrukturmaßnahmen der Holzindustrie, die durch Pisten für den Abtransport des geschlagenen Holzes auch entlegene Waldgebiete zugänglich gemacht hat.

Die zweite Bedrohung erwächst den Menschenaffen aus dem gefährlichen Ebola-Virus. Seit 1994 hat es unter der Bevölkerung Gabuns mindestens vier größere Ebola-Ausbrüche gegeben. Regelmäßig wurden dabei auch Kadaver von Affen entdeckt, bei denen sich das Virus nachweisen ließ. Auch von dem aktuellen Ausbruch der Erkrankung im Gebiet der zentralafrikanischen Republik Kongo sind die Menschenaffen-Bestände in der Region betroffen. Primaten-Forscher befürchten, dass das Virus die gesamte Population von Flachland-Gorillas in dem Gebiet auslöschen könnte. Von den ursprünglich 1250 Gorillas im Lossi-Wildreservat leben derzeit nur noch 450.

Forscher fordern besseren Schutz

Angesichts solcher Zahlen fordern Walsh und seine Kollegen, bei der Erforschung des Ebola-Virus' auch nach Schutzmaßnahmen für Menschenaffen zu suchen. Gleichzeitig plädieren sie dafür, Schimpansen und Gorillas auf der Roten Liste bedrohter Tierarten in die höchste Kategorie einzustufen. Ein wirksamer Schutz vor Bejagung sei nur möglich, wenn noch mehr Schutzgebiete ausgewiesen und unter strenge Kontrolle gestellt würden. Hier seien vor allem die reichen Industriestaaten als Geldgeber gefordert, schreiben die Forscher.

 
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