03. Apr 2003 07:53
Verräterische Zahn-Abdrücke auf fossilen Knochen: Paläontologen haben erstmals eine Saurierart als Kannibalen identifiziert.
An den Knochen der Tiere fanden die Forscher deutliche Spuren, die auf die Zähne der eigenen Art hinweisen, berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature». Das Team um den Geologen Raymond Rogers vom Macalester College in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota, hat Fossilien des Sauriers Majungatholus atopus untersucht.Dieser rund neun Meter große, aufrecht gehende Fleischfresser jagte nach Erkenntnis der Forscher zahlreiche Dinosaurier, darunter auch die riesigen, schwerfälligen Titanosauriden. Doch auch vor seinen Artgenossen machte er nicht Halt, wie Bissspuren an den Knochen von Majungatholus-Sauriern beweisen. Die Abdrücke, die die Zähne hinterließen, gehören eindeutig zu einem Artgenossen.
Das Paläontologen-Team hat zum Vergleich Berichte über Tausende Bissverletzungen unter Sauriern herangezogen, sei aber auf keine vergleichbaren Fälle gestoßen. «Wir haben die Kiefer und Zähne aller anderen bekannten Fleischfresser auf Madagaskar verglichen, darunter auch den wesentlich kleineren Carnosaurier Masiakasaurus knopfleri und zwei große Krokodile», sagt Rogers. Doch nur der Majungatholus selbst komme als Verursacher der gefundenen Verletzungen in Frage.
Mit dem kleinen Coelophysis bauri aus der Trias stand schon einmal ein Dinosaurier im Verdacht, Kannibale gewesen zu sein: Im Bauch fossiler Exemplare wollten Forscher entsprechende Knochen gefunden haben. Eine Neubewertung dieser Funde lässt es allerdings zweifelhaft erscheinen, dass Coelophysis tatsächlich seinesgleichen fraß. Trotzdem überrascht es Rogers nicht, jetzt erstmals Kannibalismus unter Sauriern nachweisen zu können. Immerhin gebe es derartige Ernährungsweisen heute bei zahlreichen Tierarten, darunter allein bei 14 Säugetierarten, wie etwa Braunbären, Schimpansen und wohl auch beim Menschen.Unklar ist noch, ob Majungatholus seine Artgenossen tötete oder nur deren Kadaver fraß. Auf jeden Fall sei der Kannibalismus ein Zeichen dafür, dass der Saurier unter schwierigen Bedingungen gelebt habe, so Rogers. Auf Madagaskar habe zu Lebzeiten der Tiere ein wechselhaftes Klima mit häufigen Dürrezeiten geherrscht. Vermutlich sei Kannibalismus die einzige Möglichkeit für den Saurier gewesen, ständig wiederkehrendem Futter- und Wassermangel zu begegnen. (nz/jkm)