18. Mrz 2003 12:46
Die lästigen Abfälle aus der Olivenöl-Produktion können vielleicht schon bald sinnvoll verwendet werden – als Fungizid im biologischen Landbau.
Die Nachbarn von Olivenbaronen haben es nicht leicht: So gut die fertigen Öle auch schmecken, bei ihrer Herstellung bleiben massenhaft feste Bestandteile zurück. Und die beginnen nach einer Weile kräftig zu stinken. Das liegt vor allem am hohen Öl- und Fettgehalt der Reststoffe. Zudem sorgen so genannte Polyphenole dafür, dass es nicht bei einer kurzen Belästigung bleibt. Sie verhindern nämlich, dass sich im Trester Bakterien und Pilze vermehren und ihn zügig in Kompost verwandeln. «Da haben Sie lange und intensiv ihre Freude dran», so Günther Laufenberg vom Bonner Institut für Lebensmitteltechnologie.Auf der Suche nach Verwertungsmöglichkeiten kamen er und seine Kollegen auf die Idee, den Trester als Pflanzenschutzmittel für den organischen Landbau zu testen. Mit Erfolg, wie jetzt vorliegende erste Ergebnisse zeigen: Schädlinge wie der Grauschimmel-Pilz Butrytis cinerea, der gerne auf alten Erdbeeren schmarotzt, oder der Getreideschädling Fusarium culmorum wuchsen demnach auf Kulturplatten mit Tresterextrakt erheblich schlechter als unter normalen Bedingungen. Für den Sommer sind Feldversuche geplant, etwa gegen den Erreger der Kartoffelfäule, der Mitte des 18. Jahrhunderts in Irland mehrere Jahre hintereinander die komplette Kartoffelernte vernichtete. Eine verheerende Hungersnot mit mehr als einer Million Toten war die Folge.
Das wichtigste Polyphenol in der Olive ist das Oleuropein. Es dient der Pflanze als selbstproduzierte Biowaffe gegen Krankheitserreger. «Wenn wir den Trester einfrieren oder kurz erhitzen, zerfällt das Oleuropein in zwei weitere Spaltprodukte, die noch erheblich wirksamer sind», erklärt Laufenberg. Die Lebensmitteltechnologen versuchen, durch geschickte Extraktionsverfahren die Polyphenolausbeute zu steigern. «Da gibt es viele Stellschrauben, an denen wir drehen können», sagt Laufenberg-Mitarbeiter Robert Pospiech.Die Forscher frieren etwa die braune Masse ein oder kochen sie, um sie dann kräftig mit Ultraschall durchzuschütteln. Oder sie trocknen und zermahlen den Trester zu feinem Mehl, der dann in Wasser oder Alkohol verrührt wird. «Wir bevorzugen natürlich umweltverträgliche Lösungsmittel und energiesparende Extraktionsverfahren», so Laufenberg. «Alles andere würde das Produkt nur unnötig verteuern und zu Lasten der Ökobilanz gehen.» Am Ende hoffen die Forscher, aus dem Olivenabfall eine Art «Polyphenol-Lack» zu entwickeln, der – auf den Feldern versprüht – den Nutzpflanzen als «natürliche Barriere» gegen Krankheitserreger dient. (nz)