06.02.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Schwarzer Seehecht
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ungewöhnlicher Fang vor Grönland: Fischer haben einen Seehecht gefangen, der bislang nur aus antarktischen Gewässern bekannt war.
Kühles Tiefenwasser dient kälteliebenden Fischen offenbar als «Tunnel» zur Überquerung des Äquators. Fischereibiologen haben westlich von Grönland einen antarktischen Seehecht gefangen rund 10.000 Kilometer nördlich seines Lebensraums.
Nachweis aus der TiefkühltruheHeilbuttfischer hatten das Tier in der Davisstraße zwischen Grönland und Neufundland aus über 1100 Metern Tiefe heraufgeholt, berichten Peter Rask Møller vom Zoologischen Museum der
Københavns Universitet in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Nature». Der Kapitän des Trawlers ließ den ihm unbekannten Fisch einfrieren und später untersuchen.
Die Zoologen ermittelten, dass es sich bei dem 1,80 Meter langen und 70 Kilogramm schweren Tier um einen Schwarzen Seehecht Dissostichus eleginoides handelt. Die Art ist aus antarktischen und südatlantischen Gewässern bekannt. Die nördlichsten Fänge waren bislang auf der Höhe Uruguays gemacht worden.
Kälteliebende TaucherIn einigen Merkmalen wie der Flossengröße und der Zahnbestückung weicht das Exemplar von der Norm ab. Als Ursache vermuten Møller und seine Kollegen ein ungleichmäßiges Wachstum. Schon die intensive Befischung der Gewässer um Grönland mache es unwahrscheinlich, dass im Nordatlantik eine bislang unbekannte Seehecht-Population existiere.
Vielmehr sehen die Forscher in dem einzigartigen Fang einen Beleg für die Annahme, in polaren Zonen heimische Fische könnten in kühlen Wasserschichten unter dem Äquator «durchtauchen». Dies könne möglicherweise erklären, warum einige kälteliebende Fischarten sowohl nördlich als auch südlich der warmen Tropengewässer vorkommen. (nz/jkm)