30.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Mikrowellen-Antenne auf einem Hummer
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Pentagon will im Irak zum ersten Mal Mikrowellen als Waffen einsetzen. Enorme elektromagnetische Impulse sollen Radaranlagen, Flugzeuge und anfliegende Raketen zerstören.
Eine Wunderwaffe, so meldeten es in den vergangenen Wochen immer wieder verschiedene Medien, werden die USA einsetzen, sollte es zum Irak-Krieg kommen: Mikrowellen. Seit Jahren forschen verschiedene Institute im Auftrag des Pentagon an der Möglichkeit, Mikrowellen als Waffe einzusetzen. Mit Erfolg.
Mikrowelle ist ursprünglich nur ein Ausdruck für einen bestimmten Ausschnitt des Frequenzbandes, dem zwischen Infrarot und Radiowellen. Elektromagnetische Wellen gehen von jedem Sender aus, der elektromagnetische Schwingungen erzeugt, zum Beispiel einer Radiostation. Haben technisch erzeugte Wellen eine sehr hohe Frequenz von mehreren Gigahertz, spricht man von Mikrowellen, da der Abstand zwischen den einzelnen Schwingungen sehr kurz ist.
Lichtschnell und unsichtbarMilitärisch interessant sind vor allem Wellen mit einer Frequenz zwischen dem unteren Megahertzbereich und vielen Gigahertz. Sie besitzen genug Energie, um eine zerstörende Wirkung auszuüben und aufgrund ihrer Frequenz nicht von Hindernissen wie Staub oder Wolken abgelenkt zu werden. Doch haben sie nicht so viel Energie, dass sie sofort tödlich sind, wie zum Beispiel die noch höherfrequente Röntgenstrahlung.
Vorteil dieser Technik: Die Wellen breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus, sind unsichtbar, und können mit bisheriger Technik ihre Wirkung über dutzende Kilometer entfalten.
Laut dem «Directed Energy Directorate» (DE), einem Teil des «Air Force Research Laboratory», sind Mikrowellen tatsächlich eine Wunderwaffe. Zwei hauptsächliche Anwendungsgebiete unterscheidet das Forschungslabor, «High Power Microwaves» und die «Active Denial Technology».
Raketen zu WaschmaschinenErstere sollen die Elektronik von Flugzeugen, Autos, Raketen oder Radaranlagen stören oder vernichten. Montiert auf Fahrzeugen, in Kampfjets oder als Einmal-Waffe in Bomben können sie enorme Energieimpulse in extrem kurzer Zeit freisetzen. Laut dem «Directed Energy Directorate» existieren inzwischen Mikrowellen-Quellen, die innerhalb weniger Nanosekunden eine Energie von zehn Megajoule abstrahlen und dabei nur 180 Kilogramm wiegen gewaltig wie ein Blitzeinschlag und leicht genug, um mit Hilfe einer Cruise Missile zum Gegner gebracht zu werden.
Die Wirkung solcher Waffen ist abhängig von ihrer Energie, der Frequenz der Wellen und der Entfernung zum Ziel. Sie reicht von einer kurzzeitigen Störung elektronischer Geräte bis zur vollständigen Zerstörung von Schaltkreisen und Chips, auch wenn diese nicht eingeschaltet sind.
Die letzte Weiterentwicklung dieser Technik führte, wie der Think Tank Globalsecurity das Pentagon zitiert, zu einer Mikrowellen-Bombe. Die Bombe habe die Fähigkeit, eine irakische SA-10 Luftabwehrrakete davon zu überzeugen, dass sie «eher eine Waschmaschine im Spülgang ist als eine Rakete, die auf irgendjemanden schießen soll», wie der Chef des Luftwaffen-Generalstabes, John Jumpers, in der Zeitschrift «Aviation Week» sagte.
Kopfschmerzen, Übelkeit, SelbstmordgedankenDie «Active Denial Technology» soll außerdem künftig dem Pentagon dazu dienen, mit einer nicht-tödlichen Waffe Menschenmassen aufzuhalten und zur Flucht zu bewegen. Die Waffe wirkt wie ein normaler Mikrowellen-Herd. Trifft die Strahlung auf die Haut, erhitzt sich die Oberfläche sehr schnell und führt zu einem intensiven Hitzegefühl. Laut DE führt die Technik nicht zu Verbrennungen und hat keine weiteren Verletzungen zur Folge.
Jedoch werden von Kritikern der Technik noch diverse körperliche Reaktionen beschrieben, die in Folge von solcher Bestrahlung auftreten können: Kopfschmerzen, Nervosität, Herzrhythmusstörungen, Durchfall. Auch Selbstmord-Gedanken oder Aggressionen werden berichtet.
In einer Studie des Air War College auf der Maxwell Luftwaffenbasis in Alabama heißt es, es sei «wesentlich, US-Waffensysteme vor den »eigenen« Mikrowellen-Emissionen zu schützen, die sonst versehentlich zu Kameraden-Tötungen und Selbstmorden führen können».