27.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Larvensifaka gehören zu den am stärksten bedrohten Affenarten.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bittere Medizin: Durch den Verzehr pflanzlicher Gerbstoffe verringern Affen auf der Insel Madagaskar die Gefahr von Fehlgeburten.
Durch Gerbstoffe aus Pflanzenblättern schützen sich Affen vor Fehlgeburten. Das konnten amerikanische und japanische Biologen jetzt bei Lemuren auf Madagaskar beobachten. Sie entdeckten, dass einige der Tiere in den letzten Wochen der Schwangerschaft einen regelrechten Heißhunger auf bittere Pflanzen entwickeln.
Schutzsubstanz TanninMichael Huffman und sein Team von der
Universität Kyoto untersuchten die Verhaltensweisen so genannter Larvensifakas (
Propithecus verreauxi) im Westen der Insel. Diese im dortigen Kirindy-Wald lebenden Lemuren sind von der Ausrottung bedroht. Die Weibchen können einmal jährlich nach rund 150 Tagen Schwangerschaft ein einzelnes Junges zur Welt bringen.
Wenige Wochen vor der Geburt beginnt das schwangere Tier, größere Mengen bitterer Pflanzen zu fressen, berichten die Forscher in einem Artikel, der demnächst im Fachblatt «Primates» erscheinen wird. Dabei nehmen die Tiere größere Mengen des Gerbstoffes Tannin zu sich, einer bitter schmeckenden Substanz, die die Pflanzen eigentlich vor dem Verzehr schützen soll. In der Tiermedizin wird Tannin unter anderem eingesetzt, um Fehlgeburten zu verhindern. Von dem Gerbstoff ist außerdem bekannt, dass er Parasiten abtöten kann und die Milchproduktion anregt.
Affen und MedikamenteHuffmann und seine Kollegen ermittelten, dass die Tannin-verzehrenden Äffinnen im Vergleich zu Artgenossen, die kein Tannin aufnehmen, weniger Fehlgeburten erleiden. Ob es sich dabei allerdings allein um eine Wirkung des Tannins handelt, ist laut Huffmann noch unklar, da auch andere Einflüsse etwa ein stressfreierer Lebensraum eine Rolle spielen könnten. Unsicher sei zudem auch, ob die Lemuren von der Tannin-Wirkung wissen oder die bittere Kost wegen anderer Bestandteile schätzen.
Einmalig ist der Griff zu «Medikamenten» bei Affen nicht. So ist etwa von insgesamt 39 Primaten-Arten bekannt, dass sie gelegentlich Erde fressen. Diese bindet Giftstoffe im Darm und ermöglicht es den Tieren so, giftige Pflanzen gefahrlos zu verzehren. (nz/jkm)