Vierflügeliges Saurierfossil entdeckt
23.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Illustration: Vier voll befiederte Flügel machten Microraptor gui zum Gleitflieger. Bild: Portia Sloan
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Forscher haben Fossilien einer vierflügeligen Saurierart gefunden. Die Diskussion über die Evolution des Fliegens könnte jetzt zugunsten der «Gleiter-Partei» kippen.
Paläontologen haben bei Ausgrabungen in China Fossilien von insgesamt sechs Dinosauriern einer bisher unbekannten Art gefunden. Sowohl die vorderen als auch die hinteren Extremitäten der Tiere waren zu Flügeln ausgebildet. Der Fund belegt eine bislang völlig unbekannte Zwischenstufe in der Evolution der Vögel.
Kletterer und GleitfliegerDer Paläontologe Xing Xu und seine Kollegen vom
Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology in Beijing, China, präsentieren ihren Fund in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature». Die ungefähr 77 Zentimeter langen Tiere lebten vor etwa 130 Millionen Jahren, in der Kreidezeit. Die Forscher haben sie der Gattung
Microraptor zugeordnet einer Untergruppe der fleischfressenden Dromaeosauriden. Die neue Art wurde
Microraptor gui genannt.
Die Tiere waren am ganzen Körper von einem drei bis vier Zentimeter langen Federkleid bedeckt. An den geflügelten Vorder- und Hinterläufen erreichten die Federn etwa 12 Zentimeter Länge. Wirklich fliegen konnten die Tiere mit dieser Ausstattung wahrscheinlich nicht. Die Forscher nehmen aber an, dass der Waldbewohner ein guter Kletterer war. Seine vier Flügel setzte er demnach zum Gleiten von Baum zu Baum ein ähnlich wie die heute lebenden Flughörnchen.
Spekulation bestätigtAusgegraben wurden die Fossilien in Dapingfang in der nordöstlichen Provinz Liaoning. Dort hatte das Team um Xing Xu bereits zwei Jahre zuvor einen krähengroßen Microraptoren gefunden, der ein Federkleid trug, allerdings keine ausgebildeten Flügel besaß.
Der neue Fund liefert der Diskussion um die Entstehung des Fliegens neue Nahrung. Die meisten Forscher vertreten die These, die Vorformen des Fliegens wären zuerst bei am Boden lebenden Sauriern aufgetreten. Aus dem Laufen und Springen sollte sich demnach das Flattern über Hindernisse hinweg entwickelt haben.
Eine ältere Theorie besagt dagegen, dass die Ursprünge des Fliegens im Gleitflug von erhöhten Positionen hinab lagen. Nach diesem Ansatz war schon im Jahr 1915 über eine vierflügelige Zwischenform spekuliert worden. Diese Annahme konnte mit dem neuen Fund bestätigt werden. (nz/jkm)