netzeitung.deHaibestände schwinden schnell

 Herausgeber: netzeitung.de

Weißer Hai: Bestand zu mehr als drei Vierteln ausgelöscht (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Weißer Hai: Bestand zu mehr als drei Vierteln ausgelöscht
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Atlantik sind die Haibestände durch Überfischung stark gefallen. Das Fehlen der großen Räuber könnte das gesamte Ökosystem Meer verändern. Bilderschau: Bedrohte Haiarten

Viele Haiarten sind im Atlantik selten geworden. Forscher, die die Aufzeichnungen von Fischern ausgewertet haben, legen einen alarmierenden Report vor: Die Bestände einiger Arten haben um mehr als 60 Prozent abgenommen.
Langleinen und Netze
Wie die Fischereibiologen um Julia Baum in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» berichten, sind Hammerhaie, vor allem die Art Sphyrna lewini, am stärksten betroffen. Ihre Anzahl hat im Untersuchungsgebiet im nordwestlichen Atlantik seit 1986 um 89 Prozent abgenommen. Beim Weißen Hai, der ebenfalls in Küstennähe lebt, betragen die Verluste 79 Prozent. Diese beiden Arten sind gegenüber der Überfischung besonders empfindlich, berichten die Forscher von der Dalhousie University im kanadischen Halifax.

Doch durch das Langleinen-Fischen, die Angel-Technik, mit der Fischer Jagd auf Thun- und Schwertfisch machen, und den gezielten Fang mit Netzen, sind fast alle im Gebiet vorkommenden Haiarten dezimiert worden. «Wir schätzen, dass alle untersuchten Arten, mit der Ausnahme das Makohais, in den vergangenen acht bis fünfzehn Jahren um mehr als 50 Prozent abgenommen haben», berichten die Biologen.

Schutzmaßnahmen gefordert
Auch für die Hochseehaie ist die Bilanz rückläufig: Die Bestände von Blauhaien sind zu 60 Prozent, die von Drescherhaien zu 80 Prozent geschwunden. Die Population der letztgenannten Art mit der lang ausgezogenen, namensgebenden Schwanzflosse ist förmlich zusammengebrochen. Nach Ansicht der Forscher steht die Art im Nordwest-Atlantik vor der Ausrottung.

Baum und ihre Kollegen fordern daher, dass Schutzmaßnahmen, wie sie für bestimmte Thunfischarten oder Seeschildkröten bestehen, auf Haie ausgeweitet werden. Die Fischereibiologen warnen, dass die Einrichtung mariner Schutzgebiete allein nicht ausreicht. In Modellberechnungen habe sich gezeigt, dass sich die lokalen Schutzmaßnahmen sogar negativ auswirken könnten, wenn die Fischer andere Gebiete aufsuchen.

Globale Überfischung
Rachel Cavanagh, Hai-Expertin der World Conservation Union, beurteilt die Lage der Haie weltweit als «düster». Wie sie dem Online-Dienst der BBC sagte, sind der Nordwest-Atlantik und das Meer um Australien die best untersuchten Hai-Gebiete. «Wenn wir dort massive Rückgänge beobachten, dann wird es in anderen Gebieten genau so schlimm oder sogar schlimmer sein», sagt Cavanagh.

Schutzbemühungen um eine Art würden lediglich den Druck auf die anderen erhöhen und das Artengefüge gefährden. Die Programme müssten auf die gesamte Artengemeinschaft abgestimmt werden.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier