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Flugevolution am Steilhang

17. Jan 2003 07:47
Rebhuhnküken flattern, um steile Abhänge erklimmen zu können.
Erst klettern, dann fliegen: Eine Lauftechnik bodenlebender Vögel könnte als Übergangsform eine Lücke in der Evolution des Fliegens geschlossen haben.

Vögel sind wahrscheinlich die einzigen lebenden Verwandten der Dinosaurier. Wie ihre urzeitlichen Vorfahren die Flugfähigkeit entwickeln konnten, ist bis heute umstritten. Nach einer aktuellen Studie könnte es dazu lediglich geeigneter «Rampen» bedurft haben.

Beschleunigungs-Messung am Rebhuhn

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  • Kenneth Dial von der University of Montana ist einer der zentralen Fragen der Flugevolution nachgegangen: Welchen Nutzen hat ein halbfertiger Flügel? Die Evolution eines so komplexen Organs kann nicht in einem Schritt stattgefunden haben, aber auch die fluguntüchtigen Zwischenstufen müssen den Tieren von Vorteil gewesen sein. Sonst hätten sich die formvollendeten Schwingen heutiger Vögel nicht herausbilden können.

    Dial untersuchte die Fortbewegung von Rebhuhn-Küken. Die Jungtiere können ohne das Federkleid und die Flügelform der erwachsenen Tiere nicht fliegen. Wie der Ökologe in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science» berichtet, nutzen sie ihre «Flügelchen» aber sehr effektiv, um steile Anstiege zu überwinden. Der Forscher befestigte Beschleunigungs-Messer an Rücken und Bauch der Tiere und filmte ihre Kletterversuche mit einer Hochgeschwindigkeits-Kamera.

    «Chicken Run» in der Evolution

    Illustration aus Science
    Die Auswertung der Aufzeichnungen ergab, dass die Tiere ihre Flügel wie Spoiler einsetzen. Durch das Flattern beim Herauflaufen erzeugen sie eine Kraft, die sie an den Hang drückt und ihnen Haftung gibt. So konnten selbst gerade geschlüpfte Küken Steigungen bis zu 50 Prozent überwinden. Nur wenig ältere Tiere konnten so bereits senkrechte Wände überwinden, ausgewachsene sogar Überhänge.

    Dial vertritt die Auffassung, dass die Vögel bis heute eine Übergangsform in der Flugevolution bewahrt haben. «Bei den Vorfahren der Vögel könnte dieses Verhalten eine Zwischenstufe in der Entwicklung zu flugtüchtigen, aerodynamischen Flügeln dargestellt haben», sagt Dial.

    Theorien verbunden

    Mehr im Internet:
    Durch geringfügige Veränderungen der Bewegung dieser «Vorflügel» könnten die Vorfahren der Flugsaurier sich auch kurz vom Boden in die Luft erhoben haben. Beim Abstieg von steilen Hängen könnten sie auf diese Weise ihre Geschwindigkeit kontrolliert haben und auch zu kurzen Gleitflügen übergegangen sein. Aus diesen Verhaltensweisen habe sich schließlich die volle Flugfähigkeit der späteren Flugsaurier – und damit auch der heutigen Vögel – entwickelt, sagt Dial.

    Die Evolution dieser Fähigkeit spaltet die Forschungsgemeinschaft bislang in zwei Lager: Die einen vermuten, dass die ersten Flieger vom Boden gestartet sind. Die anderen sagen, dass sich das Fliegen aus dem Herabgleiten aus erhöhten Positionen, etwa von einem Baum, entwickelt habe. Mit Dials Theorie scheint nun eine Verbindung dieser gegensätzlichen Auffassungen geschaffen zu sein.

    Flügelbewegungen im Übergang vom laufen über das Klettern zum Fliegen.
     
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