13.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Das Wolong-Naturreservat in China
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wer die Biodiversität erhalten möchte, sollte seine Wohnverhältnisse überprüfen. In Klein-Haushalten werden zu viele Ressourcen verbraucht.
Die durchschnittliche Zahl der Generationen, die unter einem Dach leben, hat sich weltweit verringert. In vielen Gebieten bestimmen immer kleinere Haushalte das Bild. Diese Entwicklung schadet der Artenvielfalt nach einer aktuellen Studie mehr als das bloße Wachstum der Erdbevölkerung.
«Haushalts-Explosion»Forscher um Jianguo Liu von der
Michigan State University in East Lansing haben das Bevölkerungswachstum, die Zahl der Haushalte und ihre durchschnittliche Größe für 141 Länder berechnet. In 65 davon gab es so genannte «Biodiversitäts-Hotspots». Das sind Gebiete, die sich durch eine besondere Artenvielfalt auszeichnen und die durch Aktivitäten des Menschen bedroht sind.
Wie der Online-Dienst des Fachmagazins «Nature» berichtet, ist die Zahl der Haushalte in Hotspot-Ländern um 155 Millionen angewachsen. Setzt sich diese Entwicklung fort, wird diese Zahl bis zum Jahr 2015 auf 233 Millionen steigen. Diese Zunahme ist nicht vom Wachstum der Bevölkerung abhängig: Selbst in Gebieten mit stagnierender oder sogar rückläufiger Bevölkerung wie Italien, Griechenland und Portugal hat die Zahl der Haushalte zugenommen.
Beispiel WolongDie Entwicklung bedroht vielerorts die lokale Flora und Fauna. «Je mehr wir aus biologischen Systemen entnehmen, um so größer sind die Auswirkungen auf die Biodiversität», sagt die US-amerikanische Biologin Jessica Hellman. Um das Ausmaß des globalen Problems zu erfassen, sei es besser, den menschlichen Verbrauch nicht pro Kopf, sondern pro Haushalt zu erfassen.
«Die persönliche Freiheit und soziale Wahlmöglichkeiten könnten in bezug auf die Umwelt einen hohen Preis haben», sagt Liu. Der leitende Autor der Studie hat in China den Lebensraumverlust des Großen Pandas untersucht. Im chinesischen Wolong-Naturreservat hat die Zahl der Haushalte schneller zugenommen als die Bevölkerung. Liu hatte die aktuelle Studie angeregt, um festzustellen, ob dieses Phänomen auch anderswo in der Welt auftrete.
Wie die Forscher jetzt berichten, hat die Bevölkerung in den Hotspot-Ländern jährlich um rund 1,8 Prozent zugenommen, die Zahl der Haushalte dagegen um 3,1 Prozent pro Jahr. Die durchschnittliche Zahl der Bewohner einer Wohnung ist von 4,7 auf 4,0 gefallen. Ähnliche Trends haben sich auch in den Nicht-Hotspot-Ländern gezeigt, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Dies habe zum Anstieg des Energieverbrauchs und der Emission von Treibhausgasen beigetragen.