08. Jan 2003 09:31
Durch Zeckenbisse können bakterielle Krankheitserreger übertragen werden. Offenbar ist das Infektionsrisiko in artenarmen Gebieten besonders hoch.
Im Nordosten der Vereinigten Staaten sind Weißfußmäuse (Peromyscus leucopus) das wichtigste Reservoir für die krankheits-auslösenden Bakterien der Gattung Borrelia. Forscher um Kathleen LoGiudice vom Institute of Ecosystem Studies in Millbrook im US-Bundesstaat New York haben jetzt eine Theorie getestet, nach der eine große Biodiversität den Einfluss der Mäuse als Bakterienspeicher «verdünnt». Wenn die Zecken oft auf andere Wirte stoßen, in denen sich die Borrelien weniger gut vermehren, sollten sie weniger häufig Überträger der Bakterien sein.Die Forscher ermittelten, wie viele Zecken nach einer Blutmahlzeit an den unterschiedlichen Wirtstieren eines Gebietes Borrelien in sich tragen. Anhand eines Computermodells berechneten sie anschließend, wie stark jede Wirtstierart zur Infektion der Zecken beiträgt.
Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten, ernähren sich Zecken in artenreichen Gebieten größtenteils vom Blut von Wirtstierarten, die vergleichsweise wenig von Borrelien infiziert werden. In artenarmen Gebieten sind dagegen die Weißfußmäuse der Hauptwirt der Zecken. Von ihnen werden die Borrelien auf bis zu 90 Prozent der Zecken übertragen, die diese Wirtsart befallen.Jede weitere Wirtsart senkt den Anteil, entsprechend den Vorhersagen der «Verdünnungs-Theorie». Als besonders effektive «Verdünner» erwiesen sich zwei Verwandte des Eichhörnchens: Dem Modell zufolge reduziert ihre Anwesenheit in einem Gebiet die Durchseuchung der Zecken um fast 60 Prozent.
Auch bei anderen Krankheiten könnte ein solcher Effekt das Infektionsrisiko für Menschen eindämmen, so LoGiudice und ihre Kollegen. Inwieweit eine hohe Biodiversität in einem Gebiet das Vorkommens einer Krankheit abpuffern könne, müsse in weiteren Untersuchungen in größerem Maßstab geklärt werden. (nz/jkm)