19. Dez 2002 11:35
Wie sich die globale Erwärmung in Zukunft auf die Huftiere in hohen nördlichen Breiten auswirkt, haben nordamerikanische Wissenschaftler untersucht.
Rentiere, Karibus oder Moschusochsen sind im Winter hauptsächlich auf Moose und Flechten angewiesen, die sie auf dem von losem Schnee freigescharten Boden finden. Regnet es während der Wintermonate, so sickert Wasser durch den Schnee und sammelt sich auf dem Boden. Bei sinkenden Temperaturen bildet sich dann eine zentimeterdicke Eisdecke, die selbst ein Mensch ohne Werkzeug nicht zu durchdringen vermag.Die Tiere sind damit von ihren natürlichen Nahrungsquellen abgeschnitten, im schlimmsten Fall bis zum Abtauen von Schnee und Eis im folgenden Sommer. Zudem können sich aufgrund der durch den Regen verursachten Erwärmung des Bodens Schimmel und giftige Pilze an den Flechten ausbilden, die damit ungenießbar werden.
Die Gefahren solcher «Regen-auf-Schnee»-Phänomene sind in den Verbreitungsgebieten der großen Rentier- und Karibu-Herden bekannt. So verhungerten im ungewöhnlich milden Winter 1996/97 etwa 10.000 Rentiere auf der sibirischen Chukotsk-Halbinsel. Jaako Putkonen und sein Kollege Gerard Roe von der University of Washington wollten nun ermitteln, wie sich die globale Erwärmung in Zukunft auf dieses Wetterphänomen auswirkt. Dazu entwickelten sie auf der Basis aktueller Klimaberechnungen ein Modell für die betroffenen Regionen Nordamerikas, Grönlands, Skandinaviens und Russlands.Die Berechnungen der Wissenschaftler ergaben für die Zeit bis zum Jahr 2089 einen Anstieg der durch den winterlichen Regen vereisten Landmasse um 40 Prozent. Dabei, so die Wissenschaftler, werde sich die Zone von den derzeit hauptsächlich betroffenen Küstengebieten weiter ins Landesinnere ausbreiten. «Der Regen wird weiter ins Innere der Kontinente vordringen», so Putkonen. Als Folge des Klimawandels werde die Herdenwirtschaft der einheimischen Bevölkerung stark in Mitleidenschaft gezogen.