10. Dez 2002 15:52
In Deutschland verbotene Pestizide kommen offenbar häufig doch zum Einsatz. Oft werden die Substanzen über das Internet im Ausland bestellt.
Es gebe dringenden Reformbedarf in der deutschen Pflanzenschutzpolitik, so «Nabu»-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen. Vor allem Überwachung und Kontrolle seien völlig unzureichend. «Der diskrete Versandhandel mit hochgiftigen Substanzen ist ein Skandal», so Billen im Hinblick auf den Internethandel mit Pflanzenschutzmitteln.Bei Untersuchungen im Obstanbaugebiet «Altes Land» bei Hamburg sowie im Bodenseeraum konnten die «Nabu»-Fachleute nachweisen, dass regelmäßig nicht zugelassene Präparate eingesetzt wurden. Nach Erkenntnissen der Umweltschutzorganisation werden die in Deutschland nicht zugelassene Substanzen wie etwa Lindan, E605 oder Atrazin aus dem Internet bestellt, Rechnungen und Papiere gefälscht und die Pestizide aus dem Ausland illegal eingeführt.
Angesichts solcher Missstände ist nach Auffassung des «Nabu» eine Trendwende im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in Deutschland dringend notwendig. «Wir brauchen eine verbindliche Minimierungsstrategie, die mit konkreten Fristen, Kriterien und geeigneten Instrumenten in die bestehende Agrarpolitik eingebettet ist», so Billen.Zunächst aber müssten die bestehenden Gesetze konsequent angewendet und schärfere Kontrollen durchgeführt werden. Eine realistische Zielsetzung für die Zukunft sieht der «Nabu» in der Halbierung der eingesetzten Pestizidmengen bis zum Jahr 2008. (nz)