Neue Käferfamilie entdeckt
15.11.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Kopf einer Larve der neu entdeckten Käferfamilie.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Neue Insektenarten werden beinahe täglich entdeckt. Eine neue Käferfamilie ist jedoch ein sehr seltener Fund. Jetzt gelang er Wissenschaftlern in Südafrika.
Zwei Arten einer bislang unbekannten Käferfamilie stellen Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der «Proceedings of the Royal Society of London» (Serie B) vor. Die bislang nur in Südafrika und China entdeckten Tiere gehören zu den räuberischen Wasserkäfern. Genetische Untersuchungen lassen vermuten, dass ähnliche Käfer schon in der Kreidezeit existiert haben müssen.
Eigentlich NichtschwimmerSchildförmiger Körper, ein Zentimeter groß, Flügelfarbe schwarz, Bauch und Beine braunorange - so sieht die neu entdeckte Wasserkäferfamilie aus. Aspidytidae, zu deutsch: Schildschwimmer, wurde sie getauft. «Dabei sind ihre Vertreter eigentlich Nichtschwimmer», so Rolf Beutel von der
Friedrich-Schiller-Universität in Jena.
Schon vor vier Jahren entdeckte ein Amateurforscher den chinesischen Aspidytes wrasei. Da dem Entdecker die Bedeutung seines Fundes nicht klar war, wurde die neue Käferfamilie erst bekannt, nachdem Beutel gemeinsam mit drei Kollegen eine weitere Art in Südafrika entdeckte. Dort leben die Tiere an schwer zugänglichen Steilküsten, wo sie tagsüber wie versteinert auf feuchten, dunklen Steinen verharren.
Viele Fragen offenWie die Forscher ermittelten, müssen die Urahnen der neuen Familie im frühen Erdmittelalter noch im Wasser gelebt haben. Daher der typisch «stromlinienförmige» Bau. Vor etwa 50 Millionen Jahren siedelten die «Schildschwimmer» dann um in ihren heutigen Lebensraum.
Wie ihr Leben dort heute aussieht, ist den Wissenschaftlern allerdings noch weitgehend unklar. Wie und wann die Käfer sich paaren, wo sie ihre Eier ablegen und wie das Puppenstadium aussieht, aus dem dann der Käfer schlüpft all diese Fragen müssen noch beantwortet werden.
Wissenschaftliche RaritätDennoch ist der Fund schon jetzt eine wissenschaftliche Rarität. «Neue Insektenarten werden täglich entdeckt. Eine Familie ist aber eine hochrangige systematische Übergruppe», erläutert Beutel die Bedeutung seines Fundes. Immerhin ist es schon über 100 Jahren her, dass eine neue Raubkäferfamilie nachgewiesen werden konnte. Für solch eine Entdeckung «riskiert so mancher Forscher sein Leben», so Beutel. (nz)