netzeitung.deSeehunde erkennen Wale am Gesang

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Seehunde können harmlose Schwertwale am Gesang erkennen. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Seehunde können harmlose Schwertwale am Gesang erkennen.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ob ein Killerwal harmlos oder ein gefährlicher Räuber ist, erkennen nordamerikanische Seehunde am Gesang der Meeressäuger.

Seehunde können harmlose und gefährliche Schwertwale anhand des unterschiedlichen Gesangs unterscheiden. Das berichten britische und kanadische Meeresbiologen im Fachmagazin «Nature». Demnach reagieren die Tiere einer an der nordamerikanischen Pazifikküste lebenden Population gelassen auf Wale, die sich von Fisch ernähren. Gesänge fremder Wale, die auch auf Seehunde Jagd machen, versetzen die Tiere dagegen in Alarmzustand.
Ortsfest oder gefährlich
Im nordöstlichen Pazifik finden sich zwei Gruppen von Schwertwalen (Orcinus orca), die sich unter anderem durch die Art ihrer Gesänge und Ortungsgeräusche unterscheiden. Die eine Gruppe streift die Küste von Kalifornien bis Alaska entlang und macht Jagd auf kleine Meeressäuger, beispielsweise Seehunde (Phoca vitulina). Die andere Gruppe ernährt sich ausschließlich von Fisch und bildet relativ ortsfeste Populationen. Zur Zeit der Lachswanderung halten sich diese Wale oft wochenlang in einem kleinen Gebiet auf. Für Seehunde stellen sie keine Gefahr dar.

Deecke und seine Kollegen entdeckten, dass sich Seehunde eines bestimmten Küstenabschnitts offenbar an ihre harmlosen Walnachbarn gewöhnt haben. Spielten die Forscher ihnen Gesänge dieser Wale vor, reagierten die Tiere kaum. Bei Lauten der wandernden und damit gefährlichen Wale versuchten die Seehunde dagegen, sich durch Abtauchen in Sicherheit zu bringen. Auch die Gesänge ortsfester Wale aus weiter entfernten Regionen lösten das Fluchtverhalten aus.

Komplexe Unterscheidung
«Dies zeigt, dass Seehunde zur komplexen akustischen Unterscheidung fähig sind und dass sie ihr Räuber-Bild durch selektive Gewöhnung an die Gesänge harmloser Schwertwale modifizieren», schreiben Volker Deecke und seine Kollegen von der University of St. Andrews in Schottland. Nach Ansicht der Forscher erkennen Seehunde in allen Schwertwale zunächst Fressfeinde. Mit der Zeit verfeinert sich dieses Bild jedoch, wobei die Gewöhnung an die harmlosen Nachbarn offenbar keinen Kontakt mit den Räubern erfordert. (nz/jkm)