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Napoleon wurde nicht vergiftet

29. Okt 2002 10:23
Magenkranker Eroberer.
Kein Mordfall Napoleon: In Haaren Napoleon Bonapartes haben Wissenschaftler Arsen gefunden. Allerdings spricht dieser Befund eher gegen eine Vergiftung.

Mehr als 180 Jahre nach dem Tod Napoleon Bonapartes beschäftigt sein Ableben noch immer die Wissenschaft. In ihrer November-Ausgabe präsentiert die französische Monatszeitschrift «Science et Vie» Ergebnisse einer Haaranalyse, wonach der einstige Kaiser der Franzosen nicht an einer Arsen-Vergiftung gestorben ist. Damit bestätigten sich Spekulationen über einen Mord an dem aus Korsika stammenden Eroberer nicht.

Kaisers Haar als Reliquie

Mehr in der Netzeitung:
  • Die Giftmorde der Spezialistin 15. Mrz 2002 12:57
  • Mordfall Baskerville 02. Aug 2001 11:16
  • Forscher bestätigen Mordtheorie 30. Mrz 2001 11:48
  • Napoleons Tod am 5. Mai 1821 im Zwangsexil auf der Atlantikinsel St. Helena ist wie kaum ein anderer Todesfall in der Geschichte mystifiziert worden. Von einem Anschlag französischer Royalisten bis zur Vergiftung durch einen eifersüchtigen Ehemann reichen die Legenden um die letzten Tage des Korsen. Eine der bekanntesten Mordtheorien geht gar von einer schleichenden Vergiftung durch die britischen Bewacher Napoleons aus, mutmaßlich im Auftrag der Regierung in London.

    Zumindest einige der Vergiftungstheorien dürften mit den von «Science et Vie» in Auftrag gegebenen Untersuchungen jetzt entkräftet worden sein. Forscher des Pariser Polizeilabors hatten Haarproben Napoleons aus den Jahren 1805 und 1814 – also vor der Verbannung – sowie vom Totenbett 1821 untersucht. Alle Haare wiesen deutlich überhöhte Arsen-Konzentrationen auf, einige Werte hätten gar nur durch die Einnahme einer tödlichen Arsenmenge erreicht werden können. Wäre das Arsen über den Körper in die Haare gelangt, hätte Napoleon demnach bereits 1805 sterben müssen.

    Das Haar, so die Schlussfolgerung der Zeitschrift, muss also nachträglich mit Arsen behandelt worden sein. Zu Lebzeiten Napoleons wurde Arsen unter anderem zur Konservierung von Tierfellen benutzt. Wahrscheinlich, so «Science et Vie», konservierte man auch die abgeschnittenen Haare des Kaisers auf diese Weise, um sie als eine Art Reliquie für die Nachwelt zu erhalten.

    Magenkranker Eroberer

    Mehr im Internet:
    So bleibt es vorerst bei der offiziellen Todesursache, wonach Napoleon an Magenkrebs gestorben ist – eine Einschätzung, die auch von den meisten Historikern geteilt wird. Litt der Korse doch seit seiner Jugend an Magenbeschwerden, die sich mit zunehmendem Alter verschlimmerten und mit dem medizinischen Wissen jener Zeit praktisch nicht zu kurieren waren.

    Den Anhängern der Mordtheorie bleibt allerdings ebenfalls noch genügend Raum für Spekulationen. So existieren nicht weniger als vier verschiedene Berichte über die Ergebnisse der Obduktion Napoleons. Und auch aus den zahlreichen Krankheitssymptomen, die Napoleons Leben begleiteten, lassen sich sicher noch allerhand kühne Theorien entwickeln.

     
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