15. Okt 2002 10:28
Die illegale Jagd nach Elfenbein bedroht weltweit die Elefantenbestände. Tierschützer warnen vor einer Lockerung des Handelsverbotes.
Während es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Afrika noch mehrere Millionen Elefanten gab, schätzt man den Bestand heute auf nur 290.000 bis gut 500.000 Tiere – ein historischer Tiefstand mit weiterhin abnehmender Tendenz. «Die Bestände mancher Regionen stehen vor der Ausrottung», so die Biologin Daniela Freyer von «Pro Wildlife». In Tansania und Somalia etwa ging die Zahl der Elefanten um bis zu 90 Prozent zurück. Neben dem Elfenbein wird in Afrika auch das Fleisch der Tiere von Wilderern als so genanntes «Buschfleisch» geschätzt.Die Bestände des Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) in Kambodscha, Laos und Vietnam sind in den letzten Jahren um 80 Prozent dezimiert worden: Waren es 12 Jahre zuvor noch 6250 Tiere, ist die Zahl bis 2000 auf etwa 1510 Tiere geschrumpft. Auch hier bedroht vor allem die illegale Jagd nach Elfenbein die Bestände. Durch die Wilderei hat sich das Geschlechterverhältnis beim Asiatischen Elefanten bereits dramatisch verändert: Da nur männliche Tiere Stoßzähne tragen und entsprechend gewildert werden, kommen in manchen Gegenden Asiens auf einen Bullen bis zu 120 weibliche Tiere.
Der internationale Handel mit Elfenbein ist seit 1989 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) verboten. Nur im Jahr 1999 wurde drei afrikanischen Staaten (Botswana, Namibia, Simbabwe) der einmalige Verkauf von Elfenbein-Lagerbeständen gestattet. Doch für die nächste WA-Konferenz liegen bereits Anträge mehrerer afrikanischer Staaten auf eine Lockerung des Handelsverbotes vor, um einen Teil des bei Aktionen gegen Wilderer beschlagnahmten Elfenbeins verkaufen zu können. Nach Ansicht von «Pro Wildlife» hätte eine solche Lockerung weitreichende Konsequenzen sowohl für die afrikanischen wie für die asiatischen Bestände. «Allein die Aussicht auf eine mögliche Teil-Legalisierung des Handels motiviert Wilderer und Schmuggler, ihre blutigen Aktivitäten noch weiter auszubauen», so Freyer.