08.10.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Der Pandalangur, beheimatet in Vietnam und vom Aussterben bedroht.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die rote Liste wächst: mittelasiatisches Kamel, iberischer Luchs, äthiopische Wassermaus, Pandalangur - sie alle und viele weitere Arten sind vom Aussterben bedroht.
Fast 12.000 Tier-und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, das teilte am heutigen Dienstag der Internationale Umweltschutzbund (International Union for the Conservation of Nature, IUNC) in Genf mit. Die Liste der bedrohten bis stark gefährdeten Arten habe sich somit in den letzten zwei Jahren um 121 Arten verlängert.
Lage hat sich nicht stabilisiertFür den Generaldirektor der IUNC, Achim Steiner, ist dieser weniger dramatisch als in früheren Untersuchungen anmutende Anstieg kein Grund, sich zurückzulehnen oder anzunehmen, dass sich die Lage stabilisiert. Die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere solle jedoch auch nicht mit Fatalismus betrachtet werden, sondern Anlass sein, Hilfsprogramme für den Artenschutz zu aktivieren, so Steiner zum «New Scientist».
Laut IUCN ist zum Beispiel der Iberische Luchs in Spanien und Portugal stark gefährdet. In freier Wildbahn finden sich nur noch 600 dieser Wildkatzen, ihre Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren damit halbiert.
Ursache für diesen Rückgang ist die Zerstörung von Wald-und Dickichtgebieten, die den Luchsen als Lebensgrundlage dienen.
Der Iberische Luchs wäre die erste wilde Katzenart, die innerhalb der letzten 2000 Jahre aussterben würde.
Bestimmte Kriterien müssen erfüllt sein, damit der IUCN eine Art in seine Rote Liste als «stark gefährdet» aufnimmt. Zu diesen Kriterien gehören etwa der starke Bestandsrückgang einer Art, die geographische Beschränktheit einer Art auf wenige Gebiete der Erde oder geringe absolute Populationsgröße.
Ein Drittel aller Primatenarten gefährdetIn diesem Zusammenhang veröffentlichte die
Species Survival Commission, eine von sechs Kommissionen der IUCN, in Zusammenarbeit mit der Artenschutzorganisation
Conservation International (CI) einen weiteren Bericht. Dieser befasst sich speziell mit der Gefährdung von Primaten. Zu dieser Tiergruppe zählen Affen und Halbaffen. Fast ein Drittel der 638 existierenden Primatenarten sind laut dem Bericht vom Aussterben bedroht. Das entspricht einer Zunahme der Zahl der bedrohten Primatenspezies von über 60 Prozent in den letzten zwei Jahren.
In der Studie mit dem Titel «Primates In Peril: The World's Top Most Endangered Primates» berichten die Autoren, dass besonders Primaten aus Südostasien in ihrer Existenz bedroht seien. 45 Prozent der am stärksten gefährdeten Primaten der Welt leben dort. Der Präsident der CI, Russ Mittermeier, sagte dazu im Gespräch mit dem Online-Magazin der BBC: «Der menschliche Einfluss in dieser Region ist sehr stark, besonders durch die Jagd. Primaten werden gegessen oder für zeremonielle Zwecke verwendet.»
Die Hauptursache für den Artenschwund bei den Primaten sei jedoch die Abholzung der Regenwälder. Sie nehme den Primaten ihren Lebensraum. Der Tierhandel habe hingegen an Bedeutung verloren, ebenso die Verwendung von Primaten für medizinische Zwecke.
'Hotspots'Von den 25 am stärksten gefährdeten Arten, die in dem Bericht aufgelistet sind, befinden sich 23 in den so genannten «Biodiversity Hotspots». Dabei handelt es sich um diejenigen Regionen der Erde, in denen mehr als 60 Prozent aller Tierarten leben. Diese Regionen umfassen nur 1,4 Prozent der Landoberfläche. In sechs dieser «Hotspots» lebt der größte Teil der bedrohten Primatenarten. Es handelt sich dabei um Landstriche in Burma, Madagaskar, Indonesien, den Tiefland-Regenwäldern in Westafrika, den atlantischen Wäldern in Brasilien und den
Western Ghats in Indien.
Mittermeier betonte jedoch, man müsse nicht nur von Untergang und Trübsinn berichten. In Madagaskar hätte man einige Tiere auch wieder von der Roten Liste streichen können, die zuletzt noch akut bedroht waren. (nz)