01. Okt 2002 08:31
Erregung über den Gaumen: Wissenschaftler haben untersucht, wie die Duftstoffe von weiblichen Elefanten ihre männlichen Partner stimulieren.
«Ohne diesen Mechanismus würde die sexuelle Erregung weitaus länger andauern, als es angenehm oder machbar wäre», erläutert Glenn Prestwich von der University of Utah in Salt Lake City. Er und seine Kollegen glauben, dass ihre Erkenntnisse durchaus praktischen Nutzen haben, beispielsweise für Zuchtprogramme.Elefantenbullen erkennen die Empfängnisbereitschaft eines Weibchens, indem sie eine Probe von dessen Urin an ihren Gaumen bringen. Dort sitzt das Jacobsonsche Organ (auch «Vomeronasales Organ» = VNO), ein auf die Detektion von lockenden Duftstoffen, den «Pheromonen», spezialisiertes Bündel von Nervenzellen.
Vor einigen Jahren hatte Bets Rasmussen von der Oregon Health & Science University in Hillsboro den entscheidenden Duftstoff isoliert - einen langkettigen Alkohol, der mit einem Essigsäure-Molekül verknüpft ist. Die gleiche Verbindung dient auch bei einigen Schmetterlingen als Pheromon. Für Menschen riecht sie lediglich leicht süßlich, Elefantenbullen versetzt sie jedoch prompt und nachhaltig in Erregung.Nun machten sich Prestwich, Rasmussen und ihre Kollegen daran, die Bindungspartner für das Pheromon ausfindig zu machen. Zunächst stellten sie die Verbindung im Labor her und wiesen nach, dass die synthetische Form ebenso gut wie das natürliche Vorbild auf Elefantenmännchen wirkt. Dann versahen sie das Molekül mit einer Isotopenmarkierung, gaben es in Urin von Weibchen und nahmen schließlich Schleimproben vom Gaumen jener Männchen, die den Urin getestet hatten. Indem sie in den Proben nach der markierten Verbindung fahndeten, konnten sie auch die daran gebundenen Moleküle identifizieren.