netzeitung.de«Nicht übertreiben»

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Günter Burkard (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Günter Burkard
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die letzten Geheimnisse der Cheops-Pyramide sollten in der vergangenen Nacht gelöst werden. Die Inszenierung war ein bisschen zu dick aufgetragen, findet der Münchener Ägyptologe Günter Burkhard im Interview mit der Netzeitung. Thema: Die Pyramiden-Nacht Kein Fluch des Pharao Roboter findet neuen kleinen Raum in Cheops-Pyramide

Die Nacht der Pyramiden brachte wissenschaftlich zwei Erkenntnisse: Hinter einer geheimnisumwobenen Tür ist eine weitere Tür, und im Sarg eines Beamten liegt tatsächlich ein Skelett. Im Vergleich zu den Sensationen versprechenden Ankündigungen im Vorfeld wirkt das Ergebnis mager. Der Generalsekretär des Internationalen Ägyptologenverbandes (IAE), Günter Burkhard, findet im Gespräch mit der Netzeitung, dass hier weniger mehr gewesen wäre.

Netzeitung: Professor Burkard, sind Sie enttäuscht vom Ergebnis der Pyramiden-Nacht?

Burkard: Ich hatte nicht mehr erwartet.

Ich bin ein Anhänger der Hypothese, dass diese Schächte ursprünglich für die Seele des Bestatteten gedacht waren. Da der König letztlich nicht in der «Königinnen-Kammer» beigesetzt wurde, hat man möglicherweise die Schächte aufgegeben.

Netzeitung: Man hat hinter der so genannten Gantenbrink-Tür einen kleinen Raum und eine weitere Steinplatte gefunden. Muss die Suche jetzt weiter gehen?

Burkard: Wenn man sich die Bilder genau betrachtet, sieht man, dass die zweite Tür eine sehr grobe Oberfläche hat und nicht weiter bearbeitet ist.

Das spricht gegen die Möglichkeit, dass sich inter ihr etwas Wichtiges befindet. Wahrscheinlich hört der Schacht dort einfach auf. Aber man muss natürlich nachschauen. Wenn man die technischen Möglichkeiten hat, ohne größeren Schaden anzurichten hinter die zweite Tür zu blicken, dann sollte man es tun. Dahinter ist, auch wenn ich nicht daran glaube, alles möglich.

Netzeitung: Was sagen Sie zu der Inszenierung des ägyptischen Chef-Ägyptologen Zahi Hawass und «National Geographic Television»?

Burkard: Es war ein Medien-Ereignis. Aber all die großen Ankündigungen und die Inszenierung standen in keinem Verhältnis zum letztendlichen Ergebnis. Wir von den kleinen Fächern sind auf Öffentlichkeit angewiesen, deshalb kann ich das gut nachvollziehen. Aber man darf das nicht übertreiben. Die Zuschauer machen das ein oder zweimal mit, und wenn die Ergebnisse dann eher enttäuschend sind, interessieren sie sich bald nicht mehr dafür.

Netzeitung: Live bei der «erstmaligen Erkundung großer Geheimnisse» sollte der Zuschauer dabei sein. Das Loch in die Tür war allerdings schon vorher gebohrt, und der Sarkophag wurde offensichtlich auch nicht zum ersten Mal geöffnet. Sind die Zuschauer da an der Nase herum geführt worden?

Burkard: Das muss man verstehen. Zahi Hawass ist ja ein verantwortungsvoller Ausgräber, er würde bestimmt nicht einen 4500 Jahre alten Sarkophag mit dem Meißel innerhalb von Minuten vor Kameras zum ersten Mal öffnen. Aber auch hier gilt natürlich, dass man nicht mehr suggerieren sollte, als man bieten kann. Man darf es einfach nicht übertreiben.

Netzeitung: Ihr Fazit der Pyramiden-Nacht?

Burkard: Ein Medien-Event, bei dem im Vorfeld zu große Erwartungen geweckt wurden. Die Forschung, die dort derzeit gemacht wird, ist aus ägyptologischer Sicht aber hoch spannend. Die Öffnung des Sarkophages steht ja im Zusammenhang mit der Ausgrabung einer großen Arbeiter-Siedlung dort. Die ist das eigentlich Interessante. Sie enthüllt viel über die damaligen breiten Bevölkerungsschichten, über Demographie, Soziologie und einzelne, einfache Menschen. Wir erfahren da etwas über das wirkliche Leben, nicht nur über die Könige.

Mit Günter Burkard sprach Richard Friebe