«Nicht übertreiben»
Netzeitung: Professor Burkard, sind Sie enttäuscht vom Ergebnis der Pyramiden-Nacht?
Burkard: Ich hatte nicht mehr erwartet.
Netzeitung: Man hat hinter der so genannten Gantenbrink-Tür einen kleinen Raum und eine weitere Steinplatte gefunden. Muss die Suche jetzt weiter gehen?
Burkard: Wenn man sich die Bilder genau betrachtet, sieht man, dass die zweite Tür eine sehr grobe Oberfläche hat und nicht weiter bearbeitet ist.
Netzeitung: Was sagen Sie zu der Inszenierung des ägyptischen Chef-Ägyptologen Zahi Hawass und «National Geographic Television»?
Burkard: Es war ein Medien-Ereignis. Aber all die großen Ankündigungen und die Inszenierung standen in keinem Verhältnis zum letztendlichen Ergebnis. Wir von den kleinen Fächern sind auf Öffentlichkeit angewiesen, deshalb kann ich das gut nachvollziehen. Aber man darf das nicht übertreiben. Die Zuschauer machen das ein oder zweimal mit, und wenn die Ergebnisse dann eher enttäuschend sind, interessieren sie sich bald nicht mehr dafür.
Netzeitung: Live bei der «erstmaligen Erkundung großer Geheimnisse» sollte der Zuschauer dabei sein. Das Loch in die Tür war allerdings schon vorher gebohrt, und der Sarkophag wurde offensichtlich auch nicht zum ersten Mal geöffnet. Sind die Zuschauer da an der Nase herum geführt worden?
Burkard: Das muss man verstehen. Zahi Hawass ist ja ein verantwortungsvoller Ausgräber, er würde bestimmt nicht einen 4500 Jahre alten Sarkophag mit dem Meißel innerhalb von Minuten vor Kameras zum ersten Mal öffnen. Aber auch hier gilt natürlich, dass man nicht mehr suggerieren sollte, als man bieten kann. Man darf es einfach nicht übertreiben.
Netzeitung: Ihr Fazit der Pyramiden-Nacht?
Burkard: Ein Medien-Event, bei dem im Vorfeld zu große Erwartungen geweckt wurden. Die Forschung, die dort derzeit gemacht wird, ist aus ägyptologischer Sicht aber hoch spannend. Die Öffnung des Sarkophages steht ja im Zusammenhang mit der Ausgrabung einer großen Arbeiter-Siedlung dort. Die ist das eigentlich Interessante. Sie enthüllt viel über die damaligen breiten Bevölkerungsschichten, über Demographie, Soziologie und einzelne, einfache Menschen. Wir erfahren da etwas über das wirkliche Leben, nicht nur über die Könige.
Mit Günter Burkard sprach Richard Friebe

