17.09.2002
Herausgeber: netzeitung.de
High-Tech in der Pyramide. Im Vordergurnd Zahi Hawass.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Es hätte alles so schön sein können - doch die große Pyramidennacht von Gizeh erwies sich als ziemlich laue Inszenierung.
Der Fluch des Pharao hat seinen Schrecken verloren. Kein mysteriöser Todesfall und nicht das allerkleinste unerklärliche Ereignis begleiteten die Erforschung des geheimnisvollen Schachts im Inneren der großen Pyramide von Gizeh. Nicht einmal mit einem simplen Tonausfall bestrafte Pharao Cheops die Frevler, die sich da mit allerlei High-Tech-Spielzeug im Zentrum seines Monuments tummelten. Kurz gesagt: Es lief alles glatt in dieser großen Pyramidennacht. Schade eigentlich!
Bemerkenswerte WeitsichtEs war schon auf eine Art beeindruckend, wie Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawass mit wenigen schnellen Hammerschlägen einen alten Sarkophag öffnete, um dem wissenschaftlich wertvollen Toten kurz danach liebevoll durchs längst vergangene Gesicht zu pinseln. Und wie er dann, pflichtschuldig erregt, die letzten Meter des Roboters zum lange vorher gebohrten Loch mit Kommentaren begleitete wie: «Darauf habe ich mein ganzes Leben gewartet.» was angesichts der Tatsache, dass die geheimnisvolle Tür vor kaum zehn Jahren entdeckt wurde, eine bemerkenswerte Weitsicht verrät.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Niemand hat ein neues Grab des Tut-Anch-Amun hinter der Gantenbrink-Tür vermutet. Dagegen sprach schon die geballte Urteilskraft der Fachwissenschaftler, von denen die meisten die Nacht wohl im Bett verbracht haben dürften. Und dass die Archäologen am Ort während der monatelangen Vorbereitung des Spektakels schon den einen oder anderen Blick auf das öffentlich noch zu enthüllende Geheimnis geworfen haben, durfte man zumindest vermuten.
Der Star blieb im HintergrundNicht die Ergebnisse machen das Schauspiel von Gizeh so unbefriedigend, sondern allein die schlechte Qualität der Inszenierung. Wo der Kitzel eines Live-Events versprochen war, wurde der Zuschauer vor allem durch Pyramiden-Animationen gejagt oder durfte den zweifelhaften Ruderkünsten verkleideter Schauspieler zusehen, die in der Barke einen ominösen Todesfluss hinabglitten während gelegentliche Einblendungen die Fortschritte des Rovers dokumentierten, der doch eigentlich der Star des Ereignisses hätte sein sollen. Hier wäre weniger mehr gewesen weniger Hintergrund, mehr Live-Informationen.
Eine tröstende Erkenntnis bleibt nach der großen Pyramidennacht: Alle Beteiligten haben die Chance, es besser zu machen. Denn hinter der geöffneten Tür, das wissen wir ja nun, wartet bereits die nächste das Geheimnis hinter dem Geheimnis. Und wäre es nicht schön, wenn wir live dabei sein könnten, wenn es gelüftet wird dann aber wirklich?