17.09.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Erster Blick hinter die 'Gantenbrink-Tür': Ein kleiner Raum und eine weitere Tür.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der 'Pyramid Rover' hat in der Cheops-Pyramide hinter einer geheimnisumwobenen Tür einen kleinen leeren Raum gefunden. Dieser ist von einer weiteren Tür verschlossen. Eine Chronologie der 'Pyramiden-Nacht'. Thema: Die Nacht von Gizeh Kein Fluch des Pharao Interview mit dem Ägyptologen Günter Burkard: 'Übertriebene Inszenierung' Bilder: Die Nacht von Gizeh
In der Cheops-Pyramide in Gizeh haben Wissenschaftler in der verganegenen Nacht mit Hilfe eines Roboters versucht, ein 4500 Jahre altes Geheimnis zu lösen. Gleichzeitig öffneten Archäologen den wahrscheinlich ältesten bisher nicht erforschten Sarg Ägyptens.
Weltweite Fernseh-ÜbertragungDie «Nacht der Pyramiden» wurde weltweit von Fernsehsendern übertragen. Zunächt war angekündigt gewesen, die Forscher wollten live ein Loch durch jenen geheimnisvolle kleine Tür bohren, die sich am Ende eines 64 Meter langen Gangs befindet. Das Loch jedoch, so wurde erst während der Übertragung bekannt gegeben, war bereits vorher gebohrt worden. Der 'Pyramid Rover' genannte Roboter musste nur noch seine Kamera hindurchschieben. Die Bilder zeigten einen kleinen leeren Raum, der auf der anderen Seite wieder mit einer Tür verschlossen ist.
Für Ägyptologen und Archäologen ist also das Geheimnis jener engen Gänge nach wie vor nicht gelüftet. Die Frage heißt jetzt: Was ist hinter der anderen Steinplatte? Sie kann mit den derzeit zur Verfügung stehenden technischen Mitteln nicht beantwortet werden.
Der Chef des ägyptischen Antikendienstes, Zahi Hawass, öffnete während der gleichen Übertragung auch einen 4500 Jahre alten Sarkophag. Er fand das gut erhaltene Skelett eines Mannes. Der Leichnam war auf der Seite liegend gebettet worden, sein Gesicht war nach Osten gewandt. Auch der Sarkophag war jedoch offenbar vorher schon einmal geöffnet worden, obwohl den Zuschauern suggeriert wurde, sie seien Zeugen des ersten Blickes in das steinerne Behältnis.
Hawass nannte die Öffnung des Sarkophags noch während der Übertragung einen «großen Erfolg.»
Beobachter weltweit hatten allerdings eher den Eindruck einer Farce. Der Generalsekretär des Internationalen Ägyptologenverbandes (IAE), Günter Burkhard, nannte im Gespräch mit der Netzeitung das Medienspektakel von Gizeh eine «übertriebene Inszenierung». Der Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung, sprach in einem Radio-Interview von «Verarschung».
Chronologie der Ereignisse:4.20 Uhr MEZ: Nacht über Gizeh. Die große Cheops-Pyramide ist von außen hell angestrahlt. Innen beginnt in der Königin-Kammer der
Pyramid-Rover seinen 64 Meter langen Weg durch den so genannten Südschacht.
4.25 Uhr MESZ: Der Roboter ist bereits 50 Meter weit in den Schacht vorgedrungen.
4.40 Uhr MESZ: Der Rover ist noch etwa 20 Meter von der Tür entfernt.
4.53 Uhr MESZ: Hawass beginnt, den Sarkophag zu öffnen, während der Rover sich weiter der Tür nährt.
5.05 Uhr MESZ: Der Deckel des Sarges ist geöffnet. Im Inneren liegt ein gut erhaltenes männliches Skelett. Keine Grabbeigaben. Der Mann liegt auf der Seite und blickt nach Osten.
5.18 Uhr MESZ: Der Rover hat die Tür erreicht. Die Kamera wandert in die bereits vorhandene Bohrung. Dahinter liegt ein kleiner leerer Raum und eine weitere, verschlossene Tür. Sie ist nach Angaben von Zahi Hawass versiegelt.
5.25 MESZ: Ende der 'Pyramiden-Nacht'. Der leitende Wissenschaftler Zahi Hawass zeigt sich, obwohl zunächst nur ein leerer Raum gefunden wurde, höchst erfreut. Nun sei die Frage, was sich hinter der zweiten Tür verbirgt, so Hawass im Fernsehsender von «National Geographic». Das Skelett im Sarkophag wird detailliert fotografiert und der Sarkophag wieder verschlossen.
Hintergrund:1993 findet der deutsche Ingenieur Rudolf Gantenbrink mit seinem Roboter Upuaut am Ende eines 64 Meter langen Schachtes, der in der so genannten Königin-Kammer der Cheops-Pyramide beginnt, einen mit zwei Kupfer-Griffen versehene Platte aus Kalkstein.
Hinter jene Tür zu blicken, war bisher unmöglich. Gantenbrink fand auch Schleifspuren an den Wänden. Sie weisen darauf hin, dass hier Material transportiert wurde.
Gantenbrink will den Südschacht und auch den noch schlechter zugänglichen Nordschacht weiter erforschen, doch der ägyptische Antikendienst stoppt das Projekt.
Der ägyptische Chefarchäologe Zahi Hawass wiegelt noch vor zwei Jahren ab, der Schacht sei wahrscheinlinch von rein religiöser Bedeutung. Andere Forschungsprojekte hätten Vorrang. Jetzt macht sich Hawass selbst medienwirksam daran, mit Unterstützung der National Geographic Society den Südschacht und das, was sich hinter der Steintür befindet, zu erkunden. Gantenbrink wäre gerne dabei gewesen. Er fühlt sich ausgebootet und äußert sich auch nicht mehr öffentlich zu dem Projekt.
Mumien, Schätze, Aliens?Über die Bedeutung des Schachtes gibt es verschiedene Hypothesen:
Da der Schacht blockiert ist, kann er kaum je zur Belüftung gedient haben; ob er Teil einer astronomisch-astrologischen Symbolik sein könnte, ist umstritten. Zwar glauben viele Ägyptologen, dass die Pyramiden von Gizeh nach dem Vorbild der Sterne des Orion-Gürtels angeordnet sind und dass der Schacht selbst auf den Stern Sirius gerichtet ist. Allerdings beschreibt der Gang mehrere Kurven und zeigt nicht direkt in die Richtung irgendeines Objekts am Firmament. Die Winkel dieser Kurven könnten aber nach einer anderen Theorie eine Zahlensymbolik enthalten.
Ein gewisses numerologisches Muster scheinen sie wirklich zu enthalten welche Bedeutung es haben könnte, ist völlig unklar.
Im Sinne der ägyptischen Mythologie wäre es auch logisch, den Tunnel als Seelen-Weg zum Himmel zu interpretieren. Allerdings: Er ist verschlossen, und höchstwahrscheinlich war in der Königin-Kammer auch nie jemand bestattet, dessen Seele so hätte entweichen können.
Die beliebteste Erklärung ist die, dass sich hinter der Tür eine weitere Kammer mit Mumien oder Grabbeigaben verbirgt. Auch diese Annahme ist wissenschaftlich nicht gut begründet. Aber immerhin wäre hinter der Kalksteintür genug Platz dafür.
Erst nach weiteren 16 Metern käme der Gang an der Oberfläche der Pyramide an. Die Mumie des Cheops selbst ist bisher nicht gefunden worden. Experten glauben jedoch, dass die Mumie und ein möglicher Schatz längst Grabräubern zum Opfer gefallen sind.
Oder davon ist zumindest Zecharia Sitchin überzeugt der Gang wurde von Außerirdischen eines «zwölften Planeten» benutzt, als sie die Pyramide bauten und durch genetische Manipulation die heutigen Menschen schufen.
WeltwunderPharao Cheops (ca. 2638 bis 2613 vor Christus) ließ die größte Pyramide der Welt als sein Grabmal bauen. Sie gilt als eines der sieben Weltwunder des Altertums.