Riffe aus Methan-fressenden Bakterien entdeckt
12.08.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Die gerade einmal einen Tausendstel Millimeter großen Organismen sind in der Lage, enorme Mengen des kohlenstoffhaltigen Gases Methan ohne Sauerstoff zu Kohlendioxid zu veratmen. Methan ist ein wesentlicher Bestandteil des Erdgases. Es ist auch ein wichtiges Treibhausgas und entsteht in großen Mengen an Land vor allem in Reisfeldern und Kuhmägen sowie im Meer, tief unter dem Meeresboden.
Die jetzt entdeckten Riff-bildenden Mikroorganismen sind Verwandte der vor zwei Jahren aufgespürten Bakterien. Die Riffe fanden die Forscher mit Hilfe eines U-Boots in einer Wassertiefe von 230 Metern im Westen der Halbinsel Krim. Gasblasen durchströmen kontinuierlich die teilweise bis zu vier Meter hohen und einen Meter breiten Riffstrukturen. Diese bestehen aus dichten Matten von Mikroorganismen, die im Inneren durch kalkartige Strukturen von Karbonaten gestützt werden. Das Karbonat entsteht wie Schwefelwasserstoff als Abfallprodukt aus der Veratmung von Methan mit dem im Meerwasser reichlich vorhandenem Sulfat.
Die bisherige Theorie besagt noch immer, dass nur Sauerstoff-atmende Mikroorganismen in der Lage sind, Methan effizient zu nutzen. Doch ausreichend Sauerstoff gab es in der Erdatmosphäre erst nach der Entwicklung und Ausbreitung von pflanzlichem Leben, wie wir es heute kennen. «Vielleicht waren die Ureinwohner der Erde während einer langen Periode der Erdgeschichte solche Mikroorganismen, wie wir sie im Schwarzen Meer gefunden haben: eine Symbiose von Zellen, die ohne Sauerstoff mit Methan als Nährstoff wachsen können», sagt Antje Boetius, Mitautorin der Science-Studie. Diese Mikroorganismen wären das fehlende Glied in der Kette eines erdgeschichtlich frühen Methankreislaufs. (nz/jkm)

