19. Jul 2002 08:34, ergänzt 09:05
Fast zehn Jahre lagerten die fossilen Überreste einer unbekannten Flugsaurier-Art unbeachtet im Archiv. Jetzt haben zwei brasilianischen Forscher das 110 Millionen Jahre alte Tier identifiziert.
Alexander Kellner und Diogenes de Almeida Campos von der Universität Rio de Janeiro stellen das auf den Namen Thalassodromeus sethi getaufte Fossil im Magazin «Science» vor. Ihrer Schätzung zufolge könnte die Flügelspannweite des Flugsauriers über vier Meter betragen haben. Das Tier zog vor 110 Millionen Jahren seine Kreise über den Seen der Araripe-Ebene und dem angrenzenden Ozean. Über das Verhalten der Pterosaurier, wie die Ordnung der Flugsaurier wissenschaftlich heißt, ist kaum etwas bekannt. Von den zarten Knochen der Hautflügler existieren nur wenige fossile Reste. Man geht bisher davon aus, dass diese Reptilien keine Verwandten der Vögel waren und ohne Nachfahren ausstarben. Der jetzt identifizierte Schädel weist allerdings große Ähnlichkeiten zu einem noch heute lebenden Vogel, dem Scherenschnabel (Rynchops) auf. Dies könnte Hinweise auf die Jagdgewohnheiten des Flugsauriers liefern, glauben die Forscher.
Thalassodromeus jagte demnach Fische, indem er dicht über die Wasseroberfläche segelte und dabei den Unterkiefer leicht durchs Wasser schleifen ließ. Wenn er dabei auf Beute stieß, konnte er vermutlich blitzartig ins Wasser eintauchen. Der lange Knochenkamm am hinteren Ende des Schädels könnte dabei als eine Art Gegengewicht gedient und den Flug stabilisiert haben. Die Oberfläche des Knochenkamms war einst mit einem Netz von Blutgefäßen überzogen, durch das der Saurier seinen Wärmehaushalt regulierte.Einen vergleichbaren Kamm hatten Forscher schon beim Pteranodon gefunden, einem Flugsaurier, der während der Oberkreide vor etwa 90 Millionen Jahren über dem heutigen Europa seine Kreise zog. Viele Paläontologen gehen davon aus, dass die Kämme auffällig gefärbt waren. Die Farbe könnte für die Verteidigung des Reviers und die Partnersuche wichtig gewesen sein - ganz so, wie manche Vögel heute durch ein prachtvolles Gefieder zu beeindrucken versuchen. (nz/jkm)