11. Jul 2002 11:26
Ein Schlange, die ihre Beute nicht im Ganzen verschlingt, haben Biologen jetzt entdeckt. Im Internet präsentieren sie ein Video der «kauenden Schlange».
Bruce Jayne von der University of Cincinnati, Ohio, und seine Kollegen untersuchten das Fressverhalten zweier Schlangenarten, die in den Mangrovensümpfen Singapurs leben. Beide Arten, Fordonia leucobalia und Gerarda prevostiana, ernähren sich von Krabben. In den Mägen von Fordonia fanden die Forscher ausschließlich Reste von hartschaligen Krabben, Gerarda schien dagegen nur frisch gehäutete Tiere zu fressen. Problem dabei: Die Krabben waren eigentlich zu groß, um durch das Schlangenmaul zu passen.Um das Rätsel zu lösen, brachten die Forscher einige Tiere ins Labor und filmten ihr Fressverhalten. «Das sind etwas schüchterne Arten», erläutert Jayne. «Wenn ich ihnen zusah, wollten sie nicht fressen. Als ich aber eine Infrarotkamera benutzte, fand ich dieses stereotype Verhalten.»
Krabben mit einem ausgehärteten Panzer ließ Gerarda in allen Versuchen unberührt. Bekam sie dagegen eine frisch gehäutete Krabbe zu fassen, formte sie mit ihrem Körper eine enge Schlinge. Dann zog sie ihren Kopf durch diese Schlinge, bis die Beute in der engen Öffnung stecken blieb. Die Schlange zog und zerrte jedoch immer weiter an ihrer Beute, bis deren Körper schließlich nachgab. «Die Schlange reißt den Körper der Krabbe förmlich in Stücke», so Jaynes Kommentar. Dagegen begnügte Fordonia sich damit, vor dem Verschlucken der Beute erst die störenden Beine zu entfernen.«Das neuartige Fressverhalten von G. pervostiana ist überraschend, da die Schlange eine relativ unauffällige Anatomie besitzt», schreiben die Forscher. «Dies sollte uns eine Mahnung sein, nicht allein aufgrund der Anatomie und ohne Verhaltensstudien Schlüsse über die Funktion zu ziehen.» (nz/jkm)