02. Apr 2002 13:59
Artenschutz für Gifttiere: Eine Studie an australischen Giftschlangen hat gezeigt, welche Merkmale den bedrohten Schlangenarten zum Verhängnis werden könnten.
Ziel der Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Conservation Biology» vorgestellt wird, war es, gefährdete Reptilien einfacher identifizieren zu können. «Der Rückgang einer Art ist schwer festzustellen bis er an einen Punkt gelangt, wo unterstützende Maßnahmen schwierig durchzuführen oder unmöglich sind», fasst Bob Reed die Problematik zusammen. Zusammen mit Rick Shine studierte er Verhaltensmerkmale und ökologische Ansprüche von 70 Schlangenarten aus der Familie der Elapidae, Giftschlangen, zu denen auch die Kobraarten gehören.Die Reptilienfauna Australiens ist besonders artenreich, über die meisten Spezies ist aber so wenig bekannt, dass Biologen ihre Schutzbedürftigkeit nur schwer einschätzen können. Reed und Shine werteten bestehende Freilandstudien und Daten aus, die anhand von mehr als 18.000 präparierten Tieren aus zoologischen Sammlungen gewonnen wurden. Sie bewerteten Merkmale, die von der Körpergröße über den bevorzugten Lebensraum bis hin zur Jagdtechnik reichten.
Zwischen den bedrohten und ungefährdeten bestehen demnach zwei zwei wesentliche Unterschiede. Die gefährdeten Arten sind Lauerjäger und Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild: Weibchen sind größer als die Männchen. Die großen Tiere werden häufiger von Menschen getötet. Dies könne sich schnell auf die Populationsgröße auswirken, da die fruchtbaren Weibchen besonders gefährdet sind, so die Forscher. Ein Beweis für diese Hypothese ergab sich direkt aus der Studie. In den Sammlungen waren bei diesen Arten 15 Prozent mehr Weibchen als Männchen vorhanden.Der zweite Unterschied betrifft die Jagdtechnik: Unter den Lauerjägern ist jede zweite Art bedroht; bei den Schlangen, die ihre Beute aktiv verfolgen, ist es nur jede zehnte. Die Lauerjäger benötigen in ihrem Lebensraum Streu oder andere Bodenbedeckungen, die ihnen Verstecke für ihren Hinterhalt bieten. Durch den Einfluss des Menschen werden diese Verhältnisse oft verändert und die Tiere können nicht genug Beute machen. Die aktiven Jäger scheinen mit den veränderten Bedingungen besser zurecht zu kommen. Die Bodenbedeckung ist für den Fortbestand dieser Arten nicht entscheidend.