16.07.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Der Meteorologe Wolfgang Thüne kritisiert erneut die Richtung der öffentlichen Debatte um den Klimaschutz.
OPPENHEIM. Nach Meinung des Meteorologen Wolfgang Thüne ist es «wissenschaftlich unhaltbar», von einem «Treibhauseffekt» oder gar einer «Klimakatastrophe» zu sprechen, sagte er der Nachrichtenagentur ddp in einem Interview.
«Unsinnige Debatte»Er warf der Mehrheit der Klimaforscher vor, «elementare Regeln der Physik und der Meteorologie zu missachten». Die «unsinnige Debatte» über die drohenden Klimafolgen durch vom Menschen verstärkte Einflüsse hat sich nach Ansicht des ehemaligen ZDF-Wetterfachmanns zum Selbstläufer entwickelt, bei der die schlichten «Fakten außer acht gelassen» würden. Er forderte daher eine umgehende Revision der bislang diskutierten Klimaschutzmaßnahmen auf politischer Ebene.
Thüne betonte, es könne aufgrund naturwissenschaftlicher Gesetze keinen Treibhauseffekt geben. «Dieser angebliche Effekt setzt voraus, dass die Erde durch eine Hülle von Treibhausgasen davor geschützt wird, von einer Durchschnittstemperatur von +15 Grad auf -18 Grad abzukühlen.» Dies sei aber «physikalischer Unsinn». Thüne erinnerte an das von Isaac Newton formulierte und nicht widerlegte Abkühlungsgesetz, wonach «kein Körper sich in einer kälteren Umgebung selbst erwärmen kann». Dies sei auch bei der vom kalten Weltall umgebenen Erde der Fall. Die Erde strahle permanent die Wärme ins All zurück, die sie von der Sonne erhalte.
Trugschluss TreibhausThüne verwies zudem auf die physikalischen Eigenschaften von Kohlendioxid und Wasserdampf. Auch beide Stoffe zusammen seien nicht in der Lage, die in einem breiten Wellenlängenspektrum abgestrahlte Wärmeenergie der Erde aufzunehmen oder wieder zur Oberfläche zurückzustrahlen. Deswegen sei auch die Annahme, die Erde heize sich wie ein geschlossenes Glashaus bei zu starker Sonneneinstrahlung immer weiter auf, «ein Trugschluss».
Die Erde sei eben «kein geschlossenes ökologisches System, sondern offen, weil die Wärme ins Weltall abstrahlt», folgerte Thüne. Diese Tatsache lasse sich immer wieder nach einem sonnenreichen Tag beobachten, auf den eine klare Nacht folgt: «Die von der Sonne eingestrahlte Wärme entweicht unabhängig vom Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre ins Weltall.» Das einzige Gas, dass diesen Effekt geringfügig vermindern könne, ist der Wasserdampf, fügte er hinzu. Deswegen kühle sich die Luft über Wüstengebieten mit trockener Atmosphäre stärker ab als über feuchteren Gegenden.
KlimadefinitionThüne führte außerdem Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg an, wonach «die atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration» während der letzten 8000 Jahre praktisch unverändert geblieben ist. Gleichzeitig sei aber belegt, dass es in dieser Phase große Temperaturschwankungen gab. So sei beispielsweise erwiesen, dass in Großbritannien im Mittelalter zur Zeit des so genannten «Klimaoptimums» sogar Wein angebaut werden konnte, weil die Temperaturen ohne vom Menschen verursachte Einflüsse für eine bestimmte Zeit in Europa deutlich höher lagen.
Thüne sagte, das so genannte Klima sei gemäß Definition der Meteorologischen Weltorganisation (WMO) ein rein statistisches Konstrukt. «Es gibt kein Klima im eigenständigen Sinn. Klima ist laut WMO nichts anderes als die Beobachtung des 'mittleren Wettergeschehens' einer 30-jährigen Periode», versicherte der Fachmann. Das Wetter aber könne man nicht beeinflussen und damit auch nicht das, was man Klima nenne.
Der Meteorologe betonte, Langzeitprognosen des Klimas seien «unmöglich», weil die dafür angewandten Berechnungen statistischer Luftdruckfeldverteilungen «völlig unbrauchbar» seien. Dies sei ebenso unumstößlich wie die Tatsache, «dass sich das Wetter schon nach wenigen Tagen auch nur für eine kleine Region nicht mehr berechnen lässt».
Temperaturberechnung unzureichendIm Übrigen seien auch die umfangreichsten Berechnungen für eine angeblich globale Temperatur unzureichend. Thüne erläuterte, dass zum Beispiel zur Berechnung der «Globaltemperatur 1994» zwar über 46 Millionen Einzelwerte an etwa 1400 Landstationen berücksichtigt wurden, nicht aber auf den siebzig Prozent der Erdoberfläche ausmachenden Meeren. «Aus solchen Berechnungen Folgerungen über die tatsächliche 'globale Temperatur' abzuleiten, ist wissenschaftlich nicht seriös», kritisierte der Experte. (nz/ddp)