25.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Mandrill mit bunter Nase
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Gegensätze ziehen sich an. Weibliche Affen wählen ihre Partner nicht nach dem Aussehen, sondern nach dem Geruch - und der muss anders sein. Diese Art der Partnerwahl hat auch einen ganz konkreten biologischen Nutzen für die Tiere.
Affen suchen sich Partner, deren Gene sich von ihren unterscheiden. So können sie die Gesundheit und Stärke ihrer Nachkommen verbessern, wie eine Studie der Universitäten Cambridge, Durham und Montpellier belegt.
Das internationale Forscherteam untersuchte die Gene von rund 200 weiblichen Mandrills (
Mandrillus sphinx) im zentralafrikanischen Gabun. Die Wissenschaftler fanden dabei einen Zusammenhang zwischen dem aus Blutproben gewonnenen Genom der Tiere und deren Reproduktionsmustern.
Auswahl über den Geruchssinn gesteuertJo Setchell und seine Kollegen stellten eine deutliche Vorliebe der Weibchen für Geschlechtspartner mit möglichst unterschiedlichen Genen fest. Sie vermuten, dass die Auswahl der Partner über den Geruchssinn gesteuert wird. Die Affen kennen ihren eigenen Körpergeruch, der teilweise durch Gene gesteuert wird. So könnten die Weibchen dann einen unterschiedlichen Geruch einem unterschiedlichen Genom zuordnen, berichteten sie in der aktuellen Ausgabe des «Journal of Evolutionary Biology».
Zusätzlich könnte auch die so genannte selektive Fertilisation eine Rolle spielen. Die Weibchen paaren sich zwar mit verschiedenen Männchen, die Spermien mit ähnlichem Genom werden aber vom Körper abgestoßen. Spermien mit Genen, die die eigenen ergänzen, werden hingegen zur Befruchtung «ausgewählt».
Haupt-Histokompatibilitäts-KomplexEine Gruppe von Genen, der MHC-Komplex (Haupt-Histokompatibilitäts-Komplex), beeinflusst wesentlich den Körpergeruch. Die aktive Partnerwahl lässt sich nach Ansicht der Wissenschaftler auf dieses einzelne Cluster von Erbanlagen herunterbrechen. Die Affen suchen sich Partner, deren MHC und somit auch deren Geruch sich von dem eigenen unterscheiden. Die Nachkommen verfügen dann über eine größere genetische Variabilität und eine robustere Gesundheit.
«Mandrills sind bekannt für ihre leuchtenden Farben. Die Stärke der Farben kann aber einem Weibchen nicht helfen, sich ein genetisch ergänzendes Männchen zu suchen, weil dies auch von ihrer eigenen genetischen Ausstattung abhängt», so Co-Autorin Marie Charpentier. Auch die Forscherin der Universität Montpellier favorisiert als Erklärung die geruchliche Erkennung des «richtigen» Partners.
Mandrill und Menschen mit gleicher Partnerwahl?Setchell betont die verwandtschaftliche Nähe von Mandrill und Menschen. Er hält es für möglich, dass auch wir unsere Partner nach genetischer Kompatibilität aussuchen.
Für das Web ediert von Patrick Loewenstein