Maßgeschneiderte Stammzellen:
Klon-Betrüger aus Südkorea verurteilt
26.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Hwang Woo Suk
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Einst wurde Hwang Woo Suk in Südkorea als Volksheld gefeiert. Doch dann folgte einer der spektakulärsten Wissenschaftsskandale der vergangenen Jahrzehnte.
Fast vier Jahre nach Aufdeckung der spektakulären Fälschungen seiner Stammzellstudien ist der Klon-Spezialist Hwang Woo Suk aus Südkorea zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das zentrale Bezirksgericht in Seoul befand den 56-jährigen Tiermediziner am Montag für schuldig, Forschungszuschüsse veruntreut und sich auf illegalem Weg Eizellen für seine Experimente beschafft zu haben.
Allerdings wurde der einst als «Volksheld» gefeierte Forscher vom Vorwurf freigesprochen, sich durch seine Fälschungen mit Absicht Fördergelder von zwei lokalen Unternehmen erschlichen zu haben. Die eigentlichen Fälschungen der Studien waren nicht Gegenstand der Urteilsfindung in dem mehr als drei Jahre dauernden Prozess. Die Staatsanwaltschaft hatte für Hwang vier Jahre Haft wegen Betrugs, Untreue und des Verstoßes gegen das Bioethikgesetz beantragt. Laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap kündigten die Anklagevertreter Rechtsmittel gegen das Urteil an.
Reue gezeigtHwangs Vergehen seien «schwerwiegend», weil er gegen das Gesetz zur Verwendung menschlicher Eizellen verstoßen und insgesamt 830 Millionen Won (knapp eine halbe Million Euro) für private Zwecke veruntreut habe, zitierte Yonhap den Vorsitzenden Richter.
Das Gericht begründete nach den Berichten südkoreanischer Medien die Bewährungsstrafe unter anderem damit, dass Hwang während der Verhandlung Reue gezeigt habe. Auch habe ihm die Staatsanwaltschaft nicht die Fälschungen selbst in der Anklage zur Last gelegt. Die bewussten Manipulationen hätten jedoch als Pflichtverletzung ausgelegt werden können. Hwang habe seine früheren Assistenten dazu aufgefordert, die in den Jahren 2004 und 2005 veröffentlichten Forschungsdaten zu den Stammzellexperimenten zu manipulieren.
«Science» musste Studien zurückziehenHwangs Fälschungen sorgten für einen der aufsehenerregendsten Wissenschaftsskandale in den vergangenen Jahrzehnten. Ende 2005 waren zwei zuvor als bahnbrechend gefeierte Stammzellstudien als Fälschungen aufgeflogen. Anfang 2006 musste das Fachjournal «Science» diese Studien zurückziehen.
Hwang und sein Team hatten behauptet, als weltweit erste Forscher menschliche Stammzellen aus geklonten Embryonen gewonnen zu haben. Später wurde Hwang noch für seinen Artikel über das Klonen maßgeschneiderter Stammzellen für Patienten gefeiert. Nach Angaben der Ermittler hatten die patientenspezifischen Stammzellen niemals existiert. Der weltweit erste geklonte Hund, den ein Forscherteam um Hwang 2005 vorgestellt hatte, hatte sich dagegen als echt erwiesen. Vor drei Jahren hatte die südkoreanische Regierung Hwang die Erlaubnis zur Stammzellenforschung entzogen. (dpa/nz)