Forscher finden vorteilhaften Erbfaktor: 

netzeitung.deGen-Variante verzögert Aids-Erkrankung

 Herausgeber: netzeitung.de

15 Prozent der Europäerinnen besitzen die günstige Gen-Variante (Foto: Indigo Instruments<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 15 Prozent der Europäerinnen besitzen die günstige Gen-Variante
Foto: Indigo Instruments
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Warum werden manche HIV-Infizierte nicht so schnell krank wie andere? Dieser Frage sind Genetiker aus Kiel und Jena nachgegangen. Ihr Ergebnis: Ein Teil der Antwort liegt auf dem Geschlechtschromosomen X.

Dass Aids bei einigen HIV-infizierten Frauen erst mit großer Verzögerung auftritt, hat auch genetische Ursachen. Eine Gen-Variante im Geschlechtschromosom X verlangsamt den Krankheitsverlauf, berichtete am Donnerstag Michael Krawczak, Genetiker an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Die Studie wurde von einem internationalen Forscherteam durchgeführt, das vom Fritz-Lipmann-Institut in Jena koordiniert wurde.

Die Ergebnisse könnten helfen, Prognosen über den Krankheitsverlauf bei Aids-Patientinnen zu treffen. Außerdem könne die entdeckte Gen-Variante langfristig bei der Suche nach einem Medikament gegen Aids von Nutzen sein, sagte Krawczak. Die Studie wurde im Fachmagazin «American Journal of Human Genetics» veröffentlicht.

Vierfache Inkubationszeit
Bei einigen HIV-Infizierten kann es nach der Ansteckung mehr als zehn Jahre dauern, bis eine medikamentöse Behandlung nötig wird, rund die Hälfte braucht aber spätestens nach zwei Jahren Medikamente. Patientinnen mit der nun gefundenen Gen-Variante bleibt vier Mal mehr Zeit, durchschnittlich acht Jahre. In Europa trügen etwa 15 Prozent der Frauen die vorteilhafte Gen-Variante, in Afrika nur drei, in Asien über 50 Prozent.

Nach wie vor seien aber etwa 85 Prozent der genetischen Faktoren, die den Aids-Verlauf beeinflussen, ungeklärt, sagte Krawczak. (dpa/nz)