Ursache von Schizophrenie entdeckt: 

netzeitung.deGedanken-Stau im Hirn

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Normal entwickelte (l.) und Schizophrenie geschädigte Neuronen im Mäusehirn (Foto: Peter Penzes, Northwestern University<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Normal entwickelte (l.) und Schizophrenie geschädigte Neuronen im Mäusehirn
Foto: Peter Penzes, Northwestern University
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Gehirn eines Schizophrenen ist der Informationsfluss gestört. Ein Protein ist schuld, wie Wissenschafter an genveränderten Mäuse herausfanden. Den Erkrankten könnte in Zukunft geholfen werden.

Der Mangel eines Proteins verringert die Kommunikationsfähigkeit von Nervenzellen im Gehirn. US-Wissenschaftler sehen darin die Ursache der Schizophrenie. Diese Erkenntnisse eröffnen möglicherweise Therapiemöglichkeiten für die schwere psychische Erkrankung.

An der Feinberg School of Medicine der Northwestern University wurden genetisch veränderte Mäuse gezüchtet, die als «Teenager» oder «junge Erwachsene» eine Schizophrenie entwickeln. Der gleiche zeitliche Krankheitsverlauf zeigt sich auch beim Menschen.

Weiterleitung von Informationen beeinträchtigt
Als Grund für die Krankheit sehen die Forscher das Protein Kalirin. Mit dem Mäusemodell konnten die Forscher zeigen, das eine niedrige Kalirinkonzentration zu einer geringeren Menge an Verzweigungen und Verbindungen der Nervenzellen in bestimmten Hirnarrealen führt (siehe Abb.). Dadurch wird die Weiterleitung von Informationen beeinträchtigt, sie stehen gewissermaßen im Stau. «Ohne Genügend Verbindungen braucht die Information viel länger um weitergeleitet zu werden und viele Informationen kommen gar nicht an», so Autor Peter Penzes, Physiologe an der Feinberg School.

Die ersten Symptome der Schizophrenie zeigten sich bei den Mäusen erst nach etwa zwei Monaten, im Jugendstadium der Mäuse, berichten die Wissenschaftler in der neuesten Ausgabe der «Proceedings of the National Academy of Science» («PNAS»). Bei einer normalen Entwicklung erhöht sich in diesem Stadium die Kalirinproduktion sprunghaft bei Mensch und Tier sprunghaft. Im Krankheitsfall bleibt der Anstieg aus.

Gehirne verstorbener Schizophrener
Einen Zusammenhang zwischen niedriger Kalirinkonzentration und einer geringeren Anzahl von Verknüpfungen zwischen bestimmten Gehirnzellen haben Wissenschaftler bereits vor einigen Jahren beim Menschen festgestellt. Sie untersuchten die Gehirne verstorbener Schizophrener. Über Ursache und Wirkung ist der beiden Phänomene, konnten sie aber keine Aussage treffen.

Die gestörten Verbindungen befindet sich im vorderen Cortex. Dieser Teil des Gehirns ist für Problemlösungen, Planung und logisches Denken zuständig. Andere Hirnregionen waren davon nicht betroffen. Penzes hält seine Entdeckung für bedeutsam, da die Funktionsweise von Mäuse- uns Menschenhirn sehr ähnlich ist.

Hyperaktiv, unsozial und schlechtes Gedächtnis
Seine Mäuse zeigen auch andere Symptome der Schizophrenie, sie sind hyperaktiv, unsozial und haben ein schlechtes Gedächtnis. Deshalb seien die Versuchtiere auch für die Entwicklung und Tests von Medikamenten sehr gut geeignet.

Bis jetzt werden Schizophrene lediglich mit Psychopharmaka behandelt. Die Patienten werden beruhigt, Halluzinationen zurückgedrängt. Urteils-, Denk- und Lernvermögen bleiben aber weiter gestört, ebenso wie das Sozialverhalten. Die Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich bleiben also bestehen, auch mit Medikamenten «können sich die Patienten nicht in die Gesellschaft integrieren. Viele von ihnen begehen Selbstmord», beschreibt Penzes die herrschenden Verhältnisse.

Leistungssteigende Wirkung
In weiteren Studien wollen die Forscher die leistungssteigende Wirkung von Kalirin untersuchen, um so die kognitiven Symptome der Schizophrenie korrigieren zu können. (nz)