Zu wenig zuverlässig: 

netzeitung.deGrippe-Schnelltest aus dem Verkehr gezogen

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Klinikpersonal mit Schutz (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Klinikpersonal mit Schutz
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Schnelltests für das neue Grippevirus H1N1 haben eine Trefferquote von nur 50 Prozent. Zu wenig, sagen die Kassenärzte. Unterdessen hat Deutschlands oberster Impfexperte Spekulationen über eine Krebsgefahr durch Impfungen zurückgewiesen.

Wegen mangelnder Zuverlässigkeit wird der Schnelltest zur so genannten Schweinegrippe künftig nur noch in Ausnahmefällen angewendet. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wie beide Seiten am Freitag in Berlin mitteilten. Stattdessen sollen Risikopatienten PCR-Tests von den Kassen bezahlt bekommen, wenn bei ihnen ein konkreter Verdacht auf Schweinegrippe besteht. Mit diesen Tests lässt sich die Viruskrankheit nachweisen.

Wegen eines fehlerhaften Schnelltests hatte eine mit Schweinegrippe infizierte Arzthelferin eineinhalb Wochen lang Patienten in einer Braunschweiger Klinik betreut. Experten schätzten die Schnelltests als fehleranfällig ein. Nach Angaben des Leiters der Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Thomas F. Schulz, zeigen die Tests zu mehr als 50 Prozent ein falsches negatives Ergebnis an.
Risikopatienten bekommen Kosten erstattet
Wer nach den Bestimmungen des Robert-Koch-Instituts zu einer Risikogruppe zählt und konkrete Verdachtssymptome von Schweinegrippe aufweist, bekomme den PCR-Test bezahlt, berichteten KBV und Kassenverband. Voraussetzung sei, dass das Testverfahren ein Ergebnis binnen 24 Stunden bringt. Denn schon 48 Stunden nach dem Auftreten der Symptome solle eine Behandlung mit Grippemitteln beginnen. Geht es nicht so schnell, werde doch auf den Schnelltest zurückgegriffen.

Zählt ein Patient nicht zu einer Risikogruppe, leidet er also nicht unter bestimmten Krankheiten, dann kann er einen PCR-Test veranlassen, den er dann aber selbst bezahlen müsste. Andernfalls gebe es auch in diesem Fall einen Schnelltest, für den der Betroffene die Kosten selbst erstatten müsse, dann von den Kassen aber zurückerstattet bekomme.

Krebs-Risiko zurückgewiesen
Ärzte, bei denen also Patienten mit Grippeverdacht jenseits der Chroniker-Gruppen vorstellig werden, dürften diese künftig verstärkt auf Grippe behandeln - ohne Gewissheit, um welche Form der Grippe es sich handelt.

Unterdessen hat der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts Politikeraussagen strikt zurückgewiesen, dass ein Schweinegrippe- Impfstoff das Krebsrisiko erhöht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe für diejenigen Impfstoffe, die auf Zellkulturen mit Tumoreigenschaften produziert werden, schon vor etwa 20 Jahren ausreichende Regeln aufgestellt, sagte Johannes Löwer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die meisten Schweinegrippe-Impfstoffe werden bisher ohnehin in Hühnereiern produziert.

«Nicht einmal theoretisch»
Für die Sicherheit habe die WHO vor allem zwei Dinge festgelegt: «Erstens: Die Impfstoffe, die aus solchen Zellkulturen kommen, müssen frei von Zellen sein.» Dazu werde der Impfstoff sterilfiltriert, also durch einen ganz feinen Filter geschleust. Zum zweiten dürfe er kein Erbmaterial enthalten. «Man gibt Enzyme dazu, die das Erbmaterial abbauen.» Dieses werde so zerkleinert, dass tumorerzeugende Gene «nicht einmal theoretisch» übertragen werden können. «Deswegen sind solche Produkte auf solchen Zellkulturen sicher.» Der SPD-Politiker und Mediziner Wolfgang Wodarg hatte öffentlich vor einem möglichen Krebsrisiko durch den Impfstoff gewarnt.

Die zunächst für Deutschland bestellten 50 Millionen Dosen Schweinegrippe-Impfstoff werden laut Löwer allesamt vom Unternehmen GlaxoSmithKline nur mit Hilfe von Hühnereiern produziert. Insgesamt seien in europäischen Ländern in den vergangenen Jahren bereits vier verschiedene Grippeimpfstoffe aus Zellkulturen zugelassen worden. Einer sei in den Niederlanden auch auf den Markt gekommen. Das Problem an diesem Verfahren sei, dass die Virenstämme manchmal nicht so gut auf den Zellkulturen wachsen wie im Hühnerei.

Löwer wehrte sich auch gegen Vorwurf, die Zulassung geschehe zu rasch. «Klinische Studien mit Grippeimpfstoffen sind immer schnell», sagte er. Nötig seien nur zwei Impfungen, und die Immunreaktion des Körpers sei schnell. «Im übrigen sind die Musterimpfstoffe in einem regulären Verfahren wie jeder andere Impfstoff auch zugelassen worden.» (dpa/nz)