Übertriebene Klagelaute: 

netzeitung.deKatzen manipulieren Menschen mit «Miau»

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Heute schon gejammert? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Heute schon gejammert?
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Katzenjammer ist sprichwörtlich: Wie britische Forscher vermuten, können Menschen dieser speziellern Lautkombination kaum widerstehen, was sich die Haustiere beim Wunsch nach Futter gezielt zu Nutze machen.

Katzen sind als Haustiere ein Kapitel für sich: Charmant, aber eigenwillig und nur schwer für etwas zu gewinnen, was ihnen widerstrebt. Umgekehrt setzen sie ihren Willen fast immer durch, etwa am frühen Morgen, wenn ihnen der Magen knurrt. Katzen sind Meister der Manipulation, bestätigen britische und US-Forscher im Journal «Current Biology» (Bd. 19, S. R507). In einer Studie gingen sie diesem Geschick nach und fanden die Erklärung in einem Mix von Signalen, der Frauchen oder Herrchen bis ins Mark treffen kann.

Auf die Idee zu der Untersuchung wurde Karen McComb von der Universität Sussex, die die Kommunikation von Säugetieren erforscht, von ihrer eigenen Katze gebracht. Das hungrige Tier trieb die Wissenschaftlerin jeden Morgen mit einem besonders hartnäckigen Schnurren aus dem Bett. Um diese Botschaft zu analysieren, ließ McComb Katzenlaute in verschiedenen Situationen aufnehmen und spielte die Mitschnitte 50 Probanden vor. Selbst Nicht-Katzenbesitzern fiel auf, dass die futter-bezogenen Töne besonders drängend und weniger wohlig klangen als gewöhnliches Schnurren.
Dramatische Übertreibung
Offenbar binden die Tiere ein hohes, herzerweichendes Miau geschickt in ihr übliches Schnurren ein. «Der entscheidende Faktor, der die Einschätzung von Dringlichkeit und Behaglichkeit der Schnurrlaute bestimmte, war ein ungewöhnliches hochfrequentes Element ähnlich einem Miau, das in das natürliche tiefe Schnurren eingebettet war», erläutert McComb. Schnitten die Forscher die hohen Frequenzen heraus, bewerteten die Hörer die Laute als weniger drängend.

«Das Einbetten eines Rufs in einen Laut, den wir gewöhnlich mit Zufriedenheit verbinden, ist ein subtiles Mittel, eine Reaktion hervorzurufen», sagt McComb. In einer Analyse des Katzengejammers erkannte die Wissenschaftlerin, dass ein hochfrequentes Miau mit 300 bis 600 Hertz etwa die gleiche Tonlage hat wie der Schrei eines hungrigen Babys. Diesen Trick wenden Katzen McComb zufolge vor allem dann an, wenn sie in einem kleinen Haushalt mit nur einer oder zwei Bezugspersonen leben.

«Wir glauben, dass Katzen (ihr Miau) dramatisch übertreiben, wenn sie damit Erfolg haben und die gewünschte Reaktion bei Menschen erreichen.» Gehören sie aber einer großen Familie an, in der sie nur eine untergeordnete Rolle spielen, ersparen sie sich die Anstrengung und sind kaum zu vernehmen, schreiben die Forscher in dem Journal. (AP/dpa/nz)