Oma ist der Boss
20. Apr 2001 08:59
Elefanten achten auf den Umgangston. Vor allem die älteren weiblichen Tiere sorgen so für das Wohlergehen der Herde. Hier hat die Natur die Großmutter als soziale Institution erfunden.
BERLIN. Großwildjäger haben es auf eindrucksvolle Jagdtrophäen abgesehen. Bei Elefanten sind das die großen Stoßzähne der älteren Tiere. Doch gerade die Jagd auf die alten und damit erfahrenen Elefanten wirkt sich schlimmer auf das Fortbestehen dieser gefährdeten Art aus, als bisher angenommen.
Die Großmutter kennt sich aus
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In der Elefantenherde bestimmt das älteste Weibchen. Sie weiß, wo Wasser und Futter zu finden sind und leitet die Herde nach ihren Erfahrungen. Das Verhalten gegenüber anderen Elefanten hängt von der Erinnerung der «Großmutter» an frühere Begegnungen ab. Verliert die Gruppe mit ihrer Matriarchin ihr soziales Gedächtnis, kann das die ganze Herde gefährden. Verhaltensforscher haben jetzt nachgewiesen, dass der Fortpflanzungserfolg einer Herde auch davon abhängt, wie viele andere Elefanten die Leitkuh erkennt.
Verteidigung oder Annäherung
Trifft eine Herde auf gruppenfremde Tiere, horchen die Elefanten zunächst auf deren Kontaktrufe. Diese gehören bei den Dickhäutern zu den häufigsten Lautäußerungen. Falls die Matriarchin die Rufe nicht einordnen kann, gibt sie ein Warnsignal. Die Herde rückt dann näher zusammen, um die Jungen vor möglichen Übergriffen zu schützen. Wenn sie die anderen Elefanten aber erkennt, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat sie mit diesen Artgenossen bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Dann signalisiert sie Defensiv-Verhalten. Oder die früheren Kontakte mit den anderen Tieren verliefen friedlich und es besteht kein Grund zu Vorsichtsmaßnahmen.
Gelegenheit, für Nachwuchs zu sorgen
Die Verhaltensforscher untersuchten 21 Familienverbände der Tiere im Amboseli Nationalpark in Kenia. Sie spielten den Elefanten Aufnahmen der Kontaktrufe anderer Gruppen vor und beobachteten ihr Verhalten. Die Gruppen mit alten und erfahrenen Leitkühen, die viele Kontaktrufe erkannten, gingen insgesamt weniger oft in Defensivhaltung. Beim Zusammentreffen mit anderen Elefanten haben die Tiere dieser Gruppen also mehr Gelegenheiten für Nachwuchs zu sorgen. Die Forscher glauben damit erstmalig einen Zusammenhang zwischen sozialen Kenntnissen und Fortpflanzungserfolgen bei Tieren gefunden zu haben. Sie veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der neusten Ausgabe des Fachmagazins Science.
Bullen sind unwichtig
Um sicherzustellen, dass diese Verhaltensweisen tatsächlich nur vom Gedächtnis der Matriarchin abhängen, prüften die Wissenschaftler auch andere Faktoren. Sie stellten fest, dass weder Anzahl und Durchschnittsalter der anderen Weibchen noch das Alter des jüngsten Kalbs das Sozialverhalten der Gruppe wesentlich beeinflussten. Auch die An- oder Abwesenheit von Männchen spielte dabei keine Rolle. Die Matriarchin erfüllt diese Aufgabe ganz alleine.
Für das Web ediert von Patrick Eickemeier