03.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Australiens Antwort auf den Velociraptor
Forscher haben drei neue Dinosaurier-Arten identifiziert: «Clancy» und «Matilda» waren riesige Pflanzenfresser, «Banjo» ein schneller Jäger. Ein spektakulärer Doppel-Auftritt zeigt, wie sie zueinander standen.
Wissenschaftler haben in Australien drei neue Dinosaurier-Arten entdeckt. Sie stellten die 100 Millionen Jahre alten Fossilien «Clancy», «Matilda» und «Banjo» am Freitag erstmals der Öffentlichkeit vor. Es handelt sich um zwei riesige Pflanzenfresser aus der Gruppe der teilweise über 30 Tonnen schweren Sauropoden und um einen zwei Meter großen Fleischfresser mit drei riesigen Krallen an jeder Pfote. Sauropoden waren die größten Landbewohner der Erdgeschichte. Die Fossilien wurden in Queensland gefunden, berichteten die Paläontologen.
«Diese Funde sind ein großer Durchbruch, um das prähistorische Leben in Australien zu verstehen», sagte die Premierministerin von Queensland, Anna Bligh, nahe der Fundstelle in Winton, wo sie ein Museum über das Zeitalter der Dinosaurier eröffnete. In der Region wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Fossilien aus Urzeiten entdeckt.
Die Entdeckung, die am Freitag im Online-Wissenschaftsmagazin «PLoS ONE» in einem 51-seitigen Bericht vorgestellt wurde, war der erste bedeutende Fund großer Dinosaurier in Australien seit 28 Jahren. Da der relativ flache Kontinent geologisch über lange Zeit stabil war, werden dort nur wenige Fossilien gefunden. Bei der Entdeckung in Queensland trugen die Paläontologen die Erde mehr als einen Meter tief ab, bis sie auf die sandige Lehmschicht mit den Fossilien stießen.
Der «südliche Jäger» war der Gepard seiner Zeit«Das Kronjuwel für uns ist 'Banjo', denn er ist der vollständigste fleischfressende Dinosaurier, der je in Australien gefunden wurde», sagte Scott Hocknull vom Queensland Museum und Chefautor der Studie. Von dem 500 Kilogramm schweren Raubtier wurden im Verlauf der vergangenen drei Jahre versteinerte Schenkelknochen, Rippen, Kiefer und Klauen entdeckt. Die Forscher gaben der Neuentdeckung den wissenschaftlichen Namen Australovenator wintonensis, zu deutsch «Wintons südlicher Jäger». Außerdem erhielt der fünf Meter lange Dino den Spitznamen «Banjo», nach dem Dichter A.B. «Banjo» Paterson, der 1885 in der Nähe von Winton die inoffizielle australische Hymne «Waltzing Matilda» schrieb.
«Banjo war der Gepard seiner Zeit, leicht und agil. Er konnte die meisten Beutetiere auf flachem Terrain leicht einholen», so Hocknull. Der Dinosaurier mit wissenschaftlichem Namen Australovenator wintonensis ist der größte Fleischfresser, der in Australien je entdeckt wurde. «Er war die australische Antwort auf den Velociraptor, aber viel größer und furchteinflößender.» Der Velociraptor lehrte als «Raptor» im Film «Jurassic Park» das Fürchten. Allerdings hatten die Filmemacher den eigentlich nur truthahngroßen Dinosaurier aus dramaturgischen Gründen erheblich größer dargestellt.
Banja überfiel Matilda in einer Wassersenke«Banjo» und «Matilda» wurden gemeinsam in einer 98 Millionen Jahre alten Wassersenke in Winton im westlichen Queensland entdeckt.
Das könnte darauf hinweisen, dass «Banjo» die sehr viel größere «Matilda» (Diamantinasaurus matildae) angefallen hatte. «Matilda» war nach Angaben der Forscher gedrungen und glich in der Statur einem Flusspferd. «Clancy» (Witonotitan wattsi) war dagegen grazil und am ehesten mit einer Giraffe zu vergleichen.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Funde nicht die einzigen Neuentdeckungen bleiben werden. «Wir haben noch hunderte Fossilien, die aufbereitet werden müssen, und jede Menge Material, das noch geborgen werden muss», betonten sie. (dpa/AP)