Römische Sensation:
Paulus-Sarg wird nach Knochenfund geöffnet
29.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Papst Benedikt XVI. am Fenster zum so genannten Paulusgrab
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Insider wussten es schon seit über einem Jahr: Im Paulusgrab liegen Überreste aus der Zeit des Apostels. Der Papst soll nun weiteren Untersuchungen seinen Segen geben.
Nach der Datierung von Knochenresten aus dem so genannten Paulusgrab soll der Sarkophag des Apostels geöffnet werden. «Der Heilige Vater wird uns dies später gestatten, es wird aber eine lange und heikle Arbeit werden, denn es gilt, auch kleinste Schäden zu vermeiden», sagte der für die Basilika zuständige Kardinal Andrea Cordero Lanza die Montezemolo am Montag.
Was die in dem Sarkophag entdeckten Stoff- und Knochenreste angeht, «so wussten wir das seit eineinhalb Jahren, aber es oblag allein dem Papst, das zu verkünden», erläuterte der Kardinal der römischen Tageszeitung «La Repubblica». Papst Benedikt XVI. hatte die archäologische Sensation am Sonntagabend zum Abschluss des internationalen Paulus-Gedenkjahres feierlich verkündet.
Vom Saulus zum PaulusDer Apostel Paulus, zunächst Saulus genannt, war laut Überlieferung der «große Organisator» der frühen Ausbreitung des Christentums. Außerdem war er einer der wichtigsten Theologen jener Anfangszeit. Auf seinen Missionsreisen nach Kleinasien, Griechenland, Mazedonien und Zypern legte er Fundamente der neuen religiösen Bewegung.
Paulus, der vermutlich um das Jahr 10 nach Christus unter dem Namen Saulus geboren wurde, stammte aus einer reichen Familie aus Tarsus in der heutigen Türkei und wurde streng jüdisch erzogen. Zunächst war er ein strikter Gegner der Jesus-Bewegung und beteiligte sich in Jerusalem an Christenverfolgungen.
Kenntnis vom Grab ging verlorenBiblischer Überlieferung zufolge erschien ihm als 20- oder 30- Jährigen bei einer Reise vor Damaskus der gekreuzigte Jesus. Dazu schreibt Lukas in seiner Apostelgeschichte, ihn «umleuchtete plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und er hörte eine Stimme, die sprach zu ihm. Saul, Saul, was verfolgst Du mich?». Saulus bekannte sich darauf zu Jesus und nannte sich Paulus. Bekehrungen durch Visionen und Erscheinungen werden im Christentum noch heute als «Damaskus-Erlebnis» bezeichnet.
Paulus soll nach frühchristlicher Überlieferung um das Jahr 67 in Rom enthauptet und an der Via Ostiense bestattet worden sein, wo im 4. Jahrhundert die mächtige Basilika «San Paolo fuori le Mura» über seinem Grab erbaut wurde.
Vor etwa fünf Jahrhunderten wurde die Krypta mit dem Sarkophag geschlossen. Die Kenntnis vom genauen Ort des Grabes ging dann im Laufe der Jahre durch Umbauten, Restaurierungen und auch einen Brand verloren. Nach Jahren entdeckten Archäologen schließlich 2005 einen römischen Sarkophag. Seit Dezember 2006 ist das Grab nach 500 Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich: Ein kleines Fenster unter dem Hauptaltar gibt den Blick auf eine Seite des steinernen Grabes frei. (dpa/nz)