netzeitung.deSelbstverteidigung für Pflanzen

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Tabakpflanzen verfolgen beim Selbstschutz vor Insekten verschiedene Strategien. Forscher wollen die verantwortlichen Gene für andere Pflanzen nutzbar machen und so Pflanzenschutzmittel einsparen.

BERLIN. Wie schützt sich eine Pflanze vor zu starkem Schädlingsbefall? Sie lockt natürliche Feinde des Schädlings an, die diesen dann attackieren. Ganz ähnlich wie Pflanzen Duftstoffe produzieren, um Insekten zur Blütenbestäubung anzuziehen, können von Raupen befallene Pflanzen auch Duftstoffe abgeben, die Insekten als Helfer anziehen. Diese Parasiten legen ihre Eier in die Raupen ab. Die neuen Larven fressen die Raupen von innen heraus auf. Die Schädlingslast der Pflanze sinkt.
Duft gegen schwangere Motten
Eine weitere, bislang unbekannte Verständigung zwischen Pflanzen und Insekten ist jetzt entdeckt worden. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Nature zeigt eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Gainesville in Florida, dass befallene Tabakpflanzen nicht nur die parasitären Insekten zur Feindbekämpfung anlocken können. Über einen ganz anderen Duftstoff wehren sie auch trächtige Weibchen einer für die Pflanze schädlichen Motte ab. Dabei gibt es einen ausgeprägten Tagesrhythmus: Die tagaktiven Fressfeinde werden auch nur tagsüber über den Schädlingsbefall informiert. Die nachtaktiven Schädlinge werden durch den nur nachts ausgeschütteten zweiten Stoff abgewehrt.
Vorteile für beide
Für beide Organismen ist das von Nutzen: Die Pflanze kann dadurch weitere Zerstörung durch zusätzliche Raupen verhindern. Auf der anderen Seite gibt es auch einen Nutzen für das Schädlingsweibchen: Es legt seine Eier nicht auf einer Pflanze ab, die schon befallen, geschädigt und abwehrbereit ist.
Aussichten für die Landwirtschaft
Prinzipiell kennt man Kommunikationsstechniken bei verschiedensten Organismen. Mehr als ein Dutzend Pflanzen beeinflussen jeweils zehn Arten von Schädlingen und räuberischen Insekten. Wenn es gelingt, die einzelnen Duftstoffe und deren Gene zu identifizieren, eröffnen sich neue Perspektiven für die Schädlingsbekämpfung im Pflanzenschutz.
Grüne Gentechnik
Der Einsatz von Pestiziden, etwa im Baumwollanbau, könnte möglicherweise verringert werden, wenn die Baumwollpflanze nachts selbst die Schädlinge abwehrt und tagsüber auch noch Fressfeinde der Schädlinge auf ähnliche Weise wie der Tabak anlockt. Hier eröffnet sich ein breites Anwendungsgebiet für die sogenannte «Grüne Gentechnik», deren Möglichkeiten und Gefahren derzeit kontrovers diskutiert werden.

Für das Web ediert von Gerd Knoll